• Chris

Urban Farming – Vom Schrebergarten bis zur Massenproduktion

Aktualisiert: 12. Apr 2019


Bereits Mark Twain hat es auf den Punkt gebracht - „Buy land, they’re not making it anymore“! Land ist und bleibt unser wertvollstes Gut. Wir nutzen es wegen seiner Rohstoffe, als Wohnraum und vor allem zum Nahrungsanbau. Durch die in beeindruckender Geschwindigkeit voranschreitende Urbanisierung und anderer Einflussfaktoren wie dem Klimawandel, gehen jedoch jährlich etwa 10 Millionen Hektar Ackerfläche verloren. Das entspricht in etwa 14 Millionen Fußballfeldern! Da wir heutzutage jedoch 90% unserer Nahrungsmittel auf Böden erzeugen, stellt sich die Frage, wie man die Nahrungsversorgung auch in Zukunft sicherstellen will.

An diesem Punkt kommt „Urban Farming“ ins Spiel! Während die Menschheit über Jahrzehnte Ackerflächen in Wohnraum umgewandelt hat, dreht sich nun der Spieß um. Unternehmen weltweit arbeiten an Ideen und Konzepten, wie sich der Nahrungsmittelanbau in die Städte integrieren lässt. Während streng genommen auch der kleine Kräutertopf auf dem Balkon zu Urban Farming zählt, dreht sich die Massenproduktion eher um Begriffe wie „Vertical Farming“ oder „Indoor Farming“.

Pflanzen werden nicht mehr länger auf dem Feld, sondern in Lagerhäusern und Regalen angepflanzt. Ermöglicht wird das ganze durch „Hydroponic Farming“. Dabei werden die Gewächse in wassergefüllten Behältern angepflanzt. Brauchen Pflanzen nicht eigentlich Erde und Sonne? Nein! Was die Pflanzen brauchen, sind Nährstoffe, die sich zwar im Erdreich befinden, jedoch gleichermaßen in einem Wasserbad aufgenommen und auf diese Weise besser kontrolliert werden können. Das gelbe Lichtspektrum der Sonne wird zum Wachstum von Pflanzen auch nicht zwingend benötigt, weshalb die Lichtquelle durch spezielle LED Lampen reproduziert werden kann.


Umfangreiche digitale Überwachung der Nährstoffe, Wasser, Luft und vielem mehr!

Obwohl die Hydroponik-Technik noch in ihren Kinderschuhen steckt, erreicht man bereits heute bis zu 50% schnellere Wachstumsraten bei rund 80% weniger Wasserverbrauch als beim ursprünglichem Ackerbau. Zudem können die Pflanzen unabhängig von Sommer oder Winter 365 Tage im Jahr angebaut und geerntet werden. Die meisten Hersteller kommen aufgrund der optimal kontrollierbaren Umgebung sogar ohne jegliche Pestizide aus. Durch die dauerhafte Kontrolle der Pflanzen sollen die Endprodukte nicht nur vom Nährstoffgehalt, sondern auch hinsichtlich des Geschmacks den organisch gewachsenen Pflanzen überlegen sein.

Neben Unternehmen wie Bowery Farming aus New York, die Lagerhäuser in vertikale Farmen umwandeln, oder Freight Farms, welche fertige Hydroponic Farming Container anbieten, liefert auch das Berliner StartUp Infarm ein interessantes Konzept für die mögliche Zukunft der Landwirtschaft. Das Unternehmen baut modulare Gewächshäuser bzw. Glasschränke. Jede der Einheiten ist mit einem Hydroponic Farming System ausgestattet und kann letztendlich in jedem Supermarkt, Restaurant oder wo auch immer sich ein Platz findet, aufgestellt werden. Ziel ist es, den Weg zum Verbraucher auf ein Minimum zu reduzieren und somit die frischesten Kräuter, Salate und anderen Gemüsesorten anbieten zu können.


In einem Container von Freight Farms wachsen 2-4 Tonnen Blattgemüse pro Jahr, Quelle: Freight Farms

Auch wenn Hydroponik an sich sehr futuristisch scheint, hat das amerikanische Unternehmen AeroFarms diese Technologie bereits einen Schritt weiterentwickelt. Indem die Wurzeln der Pflanzen nicht dauerhaft in Wasser getaucht, sondern nur durch einen feinen Sprühnebel aus Nährstoffen, Wasser und Sauerstoff benetz werden, sinkt der Wasserverbrauch um weitere 40% im Vergleich zum Hydroponic Farming.

Die Visionen im Urban Farming reichen vom Anbau in Lagerhäusern bis hin zum Umbau ganzer Stadtviertel. Es sieht also danach aus, dass unsere Städte in Zukunft sehr viel grüner und die Landwirtschaft weitaus nachhaltiger werden könnte. Immerhin verbraucht dieser Sektor bislang noch 70% unseres Trinkwassers! Und was den Geschmack des künstlichen Grüns betrifft, warten wir einfach mal ab, bis wir eines Tages selber reinbeißen dürfen.


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