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The Ocean Cleanup – Die Säuberung der Weltmeere

Aktualisiert: 7. Aug 2019



Caption: A bird surrounded by ocean plastic on the Northwestern Hawaiian Islands

Photo credits: Matthew Chauvin

Zahlreiche Epochen wie die Stein-, Bronze- oder Eisenzeit waren vorwiegend durch die jeweils verwendeten Materialien geprägt. Dieser Logik folgend sind wir nun in der „Plastikzeit“ angekommen. Dank der vielfältigen Eigenschaften kommt dieses Material heutzutage gefühlt in jedem Produkt vor. Weltweit werden jährlich weit über 300 Millionen Tonnen Kunststoff produziert, während gleichzeitig 5-13 Tonnen als Abfall in die Weltmeere gelangen. Bei einer Halbwertszeit von mehr als 450 Jahren dauert es allerdings ein Weilchen, bis sich eine simple Plastikflasche zersetzt hat. Nach neusten Schätzungen haben sich daher über die Jahre mehr als 100 Millionen Tonnen Plastikmüll in unseren Meeren angehäuft.

Was hat das für Auswirkungen?

Trotz verschmutzter Strände und möglicher Plastiklandschaften beim Tauchgang, sind in erster Linie die Meeresbewohner betroffen. Immer wieder gehen Bilder von verkümmerten Tieren durch die Medien. Schildkröten, die sich in Plastikringen verfangen oder Wale mit Mägen voller Plastikmüll, sind leider keine Seltenheit. Dabei handelt es sich allerdings meist um größere Plastikteile. Noch gefährlicher ist das sogenannte Mikroplastik. Mit der Zeit bewirken UV-Strahlen, Wellen und Winde einen Zerfall in winzige Plastikpartikel. Diese werden von Fischen konsumiert und können so auch in den menschlichen Körper gelangen und für Erkrankungen sorgen.


Design und Funktionsweise der „Fangarme“, Quelle: The Ocean Cleanup

Ein möglicher Lösungsansatz

So kann es nicht weitergehen, dachte sich der Niederländer Boyan Slat. Finanziert durch Crowdfunding und Spenden hat der heute 23-Jährige mit der Gründung von „The Ocean Cleanup“ 2013 das bislang wohl bekannteste Projekt zur Säuberung der Weltmeere ins Leben gerufen. Seine Idee klingt simpel: Errichte eine schwimmende U-förmige Barriere, in der sich die Plastikteile nach und nach sammeln. In der Realität muss dieses System extremen Naturkräften strotzen, Meeresbewohner verschonen und gleichzeitig die Gegenden mit der höchsten Konzentration an Plastikteilen erreichen. Und so soll es funktionieren:


Vogelperspektive eines kompletten "Ocean Cleanup"System, Quelle: The Ocean Cleanup

Eine 1-2 km lange Röhre dient als schwimmender Fangarm. An dieser Röhre wird eine nach unten ragende Barriere befestigt, welche auch tiefer treibende Plastikteile erfassen soll. Damit sich das Plastik in der nach hinten gerichteten U-Form fangen kann, muss sich das System langsamer bewegen als seine Umgebung. Natürlich könnte man in diesem Fall durch entsprechende Antriebe nachhelfen, doch „The Ocean Cleanup“ macht sich die Gesetze der Meere zu nutze. Umso tiefer man sich im Meer befindet, desto langsamer ist die Strömung. Daher befestigt "The Ocean Cleanup" an jedem System einen speziellen Treibanker, der 600m in die Tiefe ragt, wodurch die Barriere abgebremst wird und sich somit langsamer bewegt als der Plastikmüll um sie herum.


Der Treibanker in 600m Tiefe, Quelle: The Ocean Cleanup

Mit einem Team von nun mehr als 60 Leuten und Jahren an Entwicklung und Forschung wurde im Sommer 2017 erstmals ein Prototyp in der Nordsee installiert. Der Test war so erfolgreich, dass das Unternehmen sein Pilotprojekt von 2020 auf Mitte 2018 vorgezogen hat. Daher startet in den nächsten Wochen das erste System im Pazifik. Der zwischen Hawaii und der Küste Kaliforniens befindliche Nordpazifikwirbel, einer der 5 großen Meeresströmungen, gilt als größte bekannte Ansammlung von Plastikmüll in den Meeren. Diese auch als „Great Pacific Garbage Patch“ bezeichnete Fläche soll sich bereits über eine 3-mal so große Fläche wie Frankreich erstrecken. The Ocean Cleanup hat sich zum Ziel gesetzt, diese Müllansammlung innerhalb von 5 Jahren um 50% zu reduzieren. Plastikfreie Ozeane will das Unternehmen bis 2050 erreichen.

Unrealistische Versprechen?

Während das Unternehmen in den letzten Jahren viel Unterstützung erfahren durfte, kommen immer wieder kritische Stimmen auf, die an der Wirksamkeit dieses Projekts zweifeln. Da etwa 2/3 des Plastiks auf den Meeresboden sinkt und ein Teil am Strand landet, stellt sich die Frage, wieviel von dem Müll tatsächlich von „The Ocean Cleanup“ aufgesammelt werden kann. Zusätzlich ist das System nicht in der Lage, das gefährliche Mikroplastik aufzuhalten, da dieses unter der Barriere durchgleitet. Es wird sich also erst mit dem Pilotprojekt im Pazifik zeigen, wie effektiv und rentabel das System tatsächlich arbeiten kann. Wie auch immer dieser erste Härtetest verlaufen mag, darf man nicht vergessen, dass „The Ocean Cleanup“ durch seine Vision die Problematik der verschmutzen Weltmeere regelrecht ins Rampenlicht gerückt hat. Der Druck auf die Erzeuger der Müllinseln hat in den letzten Jahren massiv zugenommen und wir sind optimistisch, dass die Thematik auch hierzulande weiter in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangen wird.

Update:

Nach knapp 300 Tests mit verschiedenen Prototypen ist "The Ocen Cleanup" nun endlich bereit für den ersten Einsatz unter realen Bedingungen. Anfang September wurde das knapp 600 Meter lange System 001 zu Wasser gelassen und medienwirksam durch die Golden Gate Bridge in den Pazifik geschickt. Nach einigen abschließenden Tests wird in den kommenden Tagen damit begonnen, die gigantische Röhre in Richtung des "Great Pacific Garbage Patch" zu ziehen. Die Reise wird rund 2 bis 3 Wochen in Anspruch nehmen. Anschließend soll mit der Reinigung der Weltmeere begonnen werden. Parallel arbeitet das 60-köpfige Team rund um Boyan Slat bereits an dem finalen Design für das System 002, welches in der zweiten Jahreshälfte 2019 starten soll. Zunächst einmal sind wir aber auf die Erkentnisse gespannt, welche die erste Version der überdimensionalen Sschwimmnudel liefern wird.


System 001 vor der Küste San Franciscos, Quelle: The Ocean Cleanup

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