• Alex

Smart City - Wie Google eine eigene Stadt baut

Aktualisiert: 12. Apr 2019



Artwork der Google City, Quelle Sidewalk Labs

An Torontos östlicher Uferpromenade erstreckt sich eine riesige Fläche, die einen von Schlaglöchern übersäten Parkplatz, leerstehende Gebäude und riesige Sojabohnensilos beherbergt. Alles Überreste aus Torontos Vergangenheit als Industriehafen. Für viele ist das Gelände ein Schandfleck in der sonst so modernen Skyline von Toronto. Doch für Sidewalk Labs, eine auf urbane Innovationen spezialisierte Google-Tochter, ist es die perfekte Location, um die weltweit erste „mit dem Internet gekoppelte“ Stadt zu bauen.


Die Uferpromenade Torontos, Quelle: Sidewalk Labs

Das Projekt

„Wir wollen ein Vorbild für die Welt schaffen!“ Das ist das bescheidene Motto von den Machern hinter der Google-City. Sidewalk Labs möchte es schaffen, urbane Probleme wie Umweltverschmutzung, Verkehrsstaus und fehlenden bezahlbaren Wohnraum mittels innovativer Technologien zu lösen. Über den Sommer werden in Toronto verschiedene Pilotprojekte für eine Smart City getestet. Die Ergebnisse sollen dann in einer ersten Bauphase auf dem alten Hafengelände umgesetzt werden. Wenn alles nach Plan läuft, könnten ab 2020 die Bagger anrollen und das jetzige „Quayside“ in das wohl intelligenteste Stadtviertel der Welt verwandeln. Das soll aber noch nicht alles sein: Das gesamte zur Verfügung stehende Areal entspricht der Größe Venedigs. Google könnte also zum ersten Tech-Konzern werden, der eine komplette Mini-Metropole erbaut.


Die Google-City im Detail

Doch wie genau soll die Google-City aussehen? Laut ersten Entwürfen reichen die Ideen von vertraut bis revolutionär. Es wird Roboter geben, die Pakete liefern und Müll über unterirdische Tunnel wegschleppen. Ein Energienetz, das zu 100% auf grüne Energie setzt. Modulare Gebäude, die im Handumdrehen von Wohnfläche zu Büro- oder Retail-Flächen umgewandelt werden können. Adaptive Ampeln, die auf Rot schalten, sobald sich ein Fußgänger nähert. Sogar Schnee-schmelzende Bürgersteige sind vorgesehen. Private Autos sind in der smarten Stadt verboten. Stattdessen soll eine Flotte von selbstfahrenden Shuttles und Roboter-Taxis den Transport regeln. Selbstverständlich wird auch das kanadische Headquarter von Google dorthin ziehen.


Damit die vollständige Vernetzung funktionieren kann, wird die Google-City mit allerhand Sensoren ausgestattet, die alles überwachen und erfassen. Angefangen bei der Verwendung von Parkbänken bis hin zur Wassernutzung durch Toiletten. Sidewalk Labs sagt, dass das Sammeln und Analysieren solcher Datenmengen die Stadt effizient, lebensfähig und nachhaltig machen wird. Für Datenschützer dürfte das nach einem Alptraum klingen. Eine Stadt, die aus einer Kommandozentrale überwacht und gesteuert wird. Klingt ein wenig nach dem Film „The Truman Show“...


Aus Fehlschlägen lernen

Neben der möglicherweise mangelnder Privatsphäre bereitet auch ein Blick in die Vergangenheit Sorge. Bislang sind auf dem Reißbrett kreierte Städte meist gescheitert: EPCOT, eine von Walt Disney persönlich geplante Stadtvision, ist zusammen mit ihrem Erschaffer gestorben. Songdo, eine Planstadt in Südkorea, erinnert vielmehr an eine Geisterstadt als an eine florierende Metropole. Und in Masdar, einer geplanten Ökostadt in Abu Dhabi, mussten trotz anfänglichem Hype die Bauarbeiten vorzeitig eingestellt werden. Für Sidewalk Labs wird es also eine große Herausforderung, den Spagat zwischen Technologie und Urbanismus zu meistern.

Mit Sicherheit haben sich die Macher jeden Fehler bisheriger Städteplaner genau angesehen. Das lässt zumindest die lange Planungsphase vermuten. Und mit dem Kapital von Google in der Hinterhand sollte auch die Finanzierbarkeit kein Problem darstellen. Daher stehen die Chancen gut, dass die Stadt der Zukunft schon in wenigen Jahren zur Realität wird.


  • Grey Facebook Icon
  • Grey Instagram Icon
  • Grey LinkedIn Icon

Copyright © 2019. Created by Next Big Thing.