• Alex

Urbane Seilbahnen - Dem Verkehrschaos entschweben

Aktualisiert: 12. Apr 2019



Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr; Darstellung: bauchplan

„München will eine Seilbahn bauen!“

Diese Meldung schlug ein wie eine Bombe. Nahezu jede Münchner Tageszeitung hat in der vergangenen Woche über die spektakulären Pläne der Landeshauptstadt berichtet. Auch wir sind direkt dem Hype rund um das schwebende Verkehrsmittel verfallen, das den chronisch überfüllten öffentlichen Nahverkehr entlasten soll. Bei aller Euphorie sollte man aber erst einmal auf die Bremse treten, schließlich sind die Münchner nicht gerade für ihre erfolgreichen Infrastrukturprojekte bekannt. Auf den Transrapid zwischen Hauptbahnhof und Flughafen warten wir zumindest immer noch. Trotzdem gefällt uns die Idee einer urbanen Seilbahn so gut, dass wir uns das potentielle Verkehrsmittel der Zukunft einmal näher angesehen haben.


Seilbahn-Boom in Lateinamerika

Für gewöhnlich assoziiert man Seilbahnen ja eher mit verschneiten Berglandschaften und nicht mit überfüllten Metropolregionen. Das gilt aber wohl nur für unsere Breitengrade. Vor allem in Südamerika werden die Seilbahngondeln im Massenverkehr immer beliebter, seit 2004 die erste Anlage im kolumbianischen Medellín den Betrieb aufgenommen hat. Seither folgten viele weitere lateinamerikanische Städte. In der bolivianischen Millionenstadt La Paz wurde kürzlich sogar die bereits fünfte Linie eines gesamten Seilbahnnetzes eröffnet. Pro Tag können dort 125 000 Passagiere befördert werden – und das für einen Fahrpreis von 35 Cent. Statt stundenlang im Stau zu stehen, sparen die Pendler viel Zeit und schützen nebenbei das Klima! Denn die sogenannten "Himmel-Metros" gelten auch als Baustein zur Reduzierung der Feinstaubkonzentration in den Städten.


Eine Seilbahn für München

Nun will sich auch München dem Seilbahn-Boom anschließen und als erste europäische Stadt die Gondeln in den öffentlichen Nahverkehr einbinden. Das geplante Konzept sieht vor, über dem Frankfurter Ring – einer der verkehrsreichsten Straßen Münchens – eine schnelle und umsteigefreie Direktverbindung zwischen dem Osten und dem Westen der Landeshauptstadt zu errichten. Konkret sollen die Stationen Oberwiesenfeld und Studentenstadt auf einer etwa 4,5 Kilometer langen Strecke miteinander verbunden werden. Die reine Bauzeit schätzt Oberbürgermeister Reiter auf gut zwei Jahre, also deutlich kürzer als bei vergleichbaren Verkehrsprojekten. Auch die Kosten fallen im Vergleich zu anderen Transportmitteln um ein Vielfaches günstiger aus. Im Schnitt werden für einen Seilbahnkilometer rund 8 Millionen Euro angesetzt. Zum Vergleich: Der Bau von einem Kilometer S-Bahn kostet zehn Millionen Euro, für einen Kilometer U-Bahn müssen sogar bis zu 250 Millionen Euro gezahlt werden.


Bühne frei?

Der wohl wichtigste Aspekt ist allerdings die Kapazität. Kann es eine Seilbahn tatsächlich mit etablierten Verkehrsmitteln wie Bus, Bahn oder Tram aufnehmen? Ja! Bei einer Geschwindigkeit von etwa 29 Stundenkilometern könnten rund 4.000 Menschen pro Stunde und Richtung befördert werden - das sind sage und schreibe 50 Prozent mehr, als eine Straßenbahn schafft. Ist damit die Münchner Seilbahn beschlossene Sache? Ganz so schnell geht es leider nicht. Bislang handelt es sich nur um eine Ideenskizze, die nun von den zuständigen Stellen geprüft und dem Stadtrat vorgelegt werden soll. Das Ziel: Eine Fertigstellung vor 2025. Unrealistisch ist das keineswegs, denn Fakt ist, dass sich die Vorteile einer Seilbahn nicht wegdiskutieren lassen. So sieht es auch Staatsministerin Ilse Aigner: „Jede kreative Idee, die uns hilft, Verkehrsinfarkte zu verhindern, verdient eine ernsthafte Prüfung.“ Wir sind uns daher sicher, die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs liegt in der Luft!


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