• Alex

Robotik: Wann wird 'Westworld' Realität?

Aktualisiert: 7. Aug 2019



Die HBO-Produktion „Westworld“ ist in kürzester Zeit zu einer der beliebtesten Serien der Welt geworden und wird von vielen als würdiger Nachfolger von Game of Thrones gehandelt. Die erste Staffel entführte die Zuschauer in einen futuristischen Freizeitpark, in dem Besucher mit extrem realistisch aussehenden (und mindestens genauso realistisch agierenden) Robotern machen können, was immer sie wollen. Den Start der zweiten Staffel nehmen wir zum Anlass, uns einmal genauer mit dem Thema Robotik auseinanderzusetzen. Wie weit ist die Entwicklung tatsächlich vorangeschritten? Und werden wir eines Tages wirklich Roboter bauen können, die sich exakt wie Menschen verhalten?

Lange galt Robotik als eine kapitalintensive Domäne für Forschungsinstitute. Das hat sich in den vergangenen 10 Jahren geändert. Immer mehr Startups sind in die Branche eingestiegen und treiben die Entwicklung konsequent voran. Als Star der Szene gilt das amerikanische Unternehmen Boston Dynamics. Ihre YouTube-Videos von Salto-schlagenden Humanoiden und Türen-öffnenden Hunden gehen regelmäßig viral und erzielen Klickraten im zweitstelligen Millionenbereich. In den sozialen Medien warnen besorgte User bereits, dass uns in Kürze eine „Robo-Kalypse“ drohen könnte. Ganz so schlimm ist es allerdings nicht. Obwohl die Roboter von Boston Dynamics sehr komplexe Aktionen ausführen können, geschieht dies stets auf menschliche Anweisung hin. In dem Video des „Spot Mini“ kann man beispielsweise sehen, dass der Roboter in der Lage ist, den Türgriff zu identifizieren und die Türe anschließend auch zu öffnen. Das ausschlaggebende Kommando hierfür erteilt jedoch ein Mensch. Der Roboter agiert also bis zu einem gewissen Grad autonom, folgt dabei aber vorgegebenen Parametern.


Spot Mini von Boston Dynamics in Aktion

In Westworld sieht das etwas anders aus. Hier agieren die Roboter nicht nur autonom, sondern entwickeln sogar ein eigenes Bewusstsein! Laut Dr. Huma Shah, einer Robotik-Forscherin an der Coventry University, sind solche Westworld-ähnlichen Roboter nur eine Frage der Zeit. Sie hält einen Zeithorizont von maximal 30 Jahren für realistisch. Der begrenzende Faktor sei dabei nicht die Technologie, sondern vielmehr die finanziellen Aspekte. Schließlich müssen Unternehmen erst sinnvolle Anwendungszwecke finden, um Unterhaltungsroboter auch profitabel vermarkten zu können. Andernfalls macht deren Entwicklung aus wirtschaftlicher Sicht keinen Sinn.

Getreu dem Motto „sex sells“ hat die Erotikindustrie schon früh das Potenzial von Unterhaltungsrobotern entdeckt. So zählen die sogenannten Sexroboter zu den derzeit prominentesten Anwendungsbeispielen. Die amerikanische Firma Abyss Creations vertreibt beispielsweise ihre realistisch aussehende und auf sexuelles Vergnügen spezialisierte „Realdoll“ ab 6.000 Dollar. Das Ganze ist allerdings aus ethischer Sicht zweifelhaft und aus technischer Sicht nicht im Geringsten mit der Komplexität eines autonomen Roboters zu vergleichen.

Doch zum Glück gibt es im Bereich der Unterhaltungsrobotik noch andere Unternehmen, die etwas kreativere Ziele verfolgen und Roboter als Empfangsmitarbeiter, Nachrichtenmoderatoren oder gar soziale Kontakte für Senioren einsetzten möchten. Das wohl prominenteste Beispiel ist „Sophia“ aus dem Hause Hanson Robotics. Dank zahlreichen öffentlichen Auftritten - von der „The Tonight Show Starring Jimmy Fallon“ bis hin zu „SXSW“ – ist Sophie bereits eine wahre Berühmtheit. Die humanoide Roboter-Dame beeindruckt vor allem durch ihre realistischen Gesichtsausdrücke und ihre Interaktionen mit Menschen. Das täuschend echte Aussehen zeigt, dass sich diese Art Roboter eines Tages wohl nicht mehr von Menschen unterscheiden dürften. Zumindest aus rein optischer Perspektive.


Roboterdame Sophia bei einem Live-Auftritt

Denn um aus Sophia einen Westworld-ähnlichen, also frei handelnden Roboter zu machen, fehlt ihr im Moment noch ein eigenes Bewusstsein. Schon Alan Turing, einer der einflussreichsten Theoretiker der frühen Computerentwicklung, sagte einst, dass „wir erst die Geheimnisse des Bewusstseins lösen müssen“, bevor wir einen menschenähnlichen Roboter bauen können. In Westworld wird diese Problematik mit einer Art „Lernsystem“ gelöst. Anhand von Imitationen, Instruktionen und Erfahrungen können die Roboter genau wie Menschen lernen. Ein solches „Lernsystem“ in der Realität zu programmieren, dürfte allerdings eine große Herausforderung sein. Selbst unter Wissenschaftlern herrscht Uneinigkeit darüber, ob das menschliche Bewusstsein jemals auf Roboter übertragen werden kann. Doch dank der immensen Fortschritte im Bereich der Künstlichen Intelligenz, rückt eine Antwort auf diese Frage näher.

Dann müssen wir uns auch mit der Frage auseinandersetzten, wie gefährlich Roboter mit eigenem Bewusstsein werden können. Unterhaltungsroboter werden für das Vergnügen der Menschen gebaut. Doch das kann sich auch schnell zum Gegenteil wandeln. Immerhin sind wir dank Hollywood auf jedes erdenkliche Szenario vorbereitet, in dem das Experiment „Roboter mit Bewusstsein“ schief läuft. Für den Fall der Fälle schauen wir uns dann aber doch lieber die zweite Staffel von Westworld an ...


  • Grey Facebook Icon
  • Grey Instagram Icon
  • Grey LinkedIn Icon

Copyright © 2019. Created by Next Big Thing.