• Alex

"Neuland" - Anbauflächen auf dem Meer



In der Antarktis schmilzt das Eis so schnell wie nie zuvor und lässt als Folge den Meeresspiegel Jahr für Jahr weiter ansteigen. Wie weit, darüber kann im Moment nur spekuliert werden. Fakt ist aber, dass in Zukunft riesige Landstriche von den steigenden Wassermassen bedroht sein werden. Hunderte Millionen Menschen könnten in der Folge nicht nur ihren Lebensraum, sondern auch fruchtbare Anbauflächen verlieren. Betroffen sind neben Ländern wie Bangladesh oder den Niederlanden vor allem die Deltas großer Flüsse. Nil-, Jangtse- oder Mekongdelta sind nur einige namenhafte Beispiele. Auch europäische Flussmündungen, wie der Po, der Rhein oder die Elbe werden gefährdet sein.

Angesichts der Aktualität des Problems hat sich ein Team von Studenten der Technischen Universität München überlegt, wie in Zukunft mittels künstlicher Anbauflächen die Ernährung in den überschwemmten Gebieten sichergestellt werden kann. Das Geniale an ihrem Konzept? Das „Projekt Neuland“ schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe! Denn die neuen Anbauflächen sollen auf Inseln aus Plastikmüll entstehen! Schließlich treiben bereits jetzt riesige Ansammlungen aus Kunststoffabfällen auf unseren Ozeanen und ein Ende der Vermüllung ist nicht in Sicht. Mit dem „Projekt Neuland“ könnte also tatsächlich ein Umweltproblem zur Lösung eines anderen genutzt werden.

Das ambitionierte Konzept der Studenten basiert auf dem Prinzip ‚Hilfe zur Selbsthilfe‘. In erster Linie geht es darum, den betroffenen Menschen im Notfall eine Möglichkeit zu bieten, sich selbst ernähren zu können. Ähnlich wie Care-Pakete sollen in den überschwemmten Gebieten kostenfreie „Neuland-Kits“ verteilt werden, welche alle notwendigen Materialen für den Bau der „Neuland“-Inseln enthalten. Die Pakete bestehen aus einer Bodenverankerung und einer Rahmenkonstruktion, welche das Gerüst der Insel bildet. Daneben ist ein Netz für den Plastikmüll sowie ein Karton mit Mikroorganismen und nährstoffreichem Humus enthalten.


Für den Bau der Insel wird zunächst Plastikmüll aus den Meeren gesammelt und gleichmäßig in den Netzen verteilt. Auf dem Plastikmüll wird der Karton mit den Mikroorganismen verteilt und mit Humus bedeckt. Anschließend kann die Insel im seichten Meer verankert werden. Zur Bepflanzung werden Samen von salzwasserresistenten Esspflanzen bereitgestellt. Alles wie im heimischen Gemüsebeet, nur eben auf einer schwimmenden Plattform. Die in der Insel enthaltenen Mikroorganismen zersetzen sowohl den eingeschlossenen Kunststoffmüll als auch die aus dem Brackwasser gefilterten Mikro-Kunststoffpartikel. Auf diese Weise „verlandet“ die Insel im Laufe der Zeit. Je mehr Neuland-Kits zu einer Fläche zusammengeschlossen werden, desto größer ist die später nutzbare Anbaufläche. Ab einer gewissen Größe ist sogar der kommerzielle Anbau von Aromapflanzen und Kräutern vorstellbar.


Das Konzept basiert auf aktuellen Forschungsergebnissen und zeigt, wie sich der Mensch seine natürliche Lebensgrundlage zurückholen und gleichzeitig die Kunststoffvermüllung in den Weltmeeren reduzieren kann. Dennoch hoffen wir, dass die Neuland-Kits niemals zum Einsatz kommen müssen. Es ist endgültig an der Zeit, den Ausstoß an Treibhausgasen zu bremsen und damit auch den Meeresspiegel-Anstieg zu verlangsamen. Sonst könnte die angesprohene Katastrophe höchstwahrscheinlich noch in diesem Jahrhundert Realität werden.

Das Projekt wurden von den folgenden Studierenden erarbeitet:

Benedikt Bandtlow, Eleonore Eisath, David Meier & Steven Stannard.

Vielen Dank für die Bereitstellung der Materialien!

Die gesamte Serie "Die Welt im Jahr 2068" ist hier zu finden.


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