• Chris

nanoFlowcell – Kann man Elektrizität tanken statt laden?

Aktualisiert: 7. Aug 2019



Die nanoFlowcell-Technologie, Quelle: nanoFlowcell Holdings Ltd

Während sich technologische Neuerungen um uns herum in beeindruckender Geschwindigkeit entwickeln, könnte man behaupten, dass sich die Batterietechnologie noch in der Steinzeit bewegt. Seit Jahren wird angekündigt, dass die Revolution des Akkus vor der Tür steht, doch bislang blieb das gewünschte Ergebnis aus. Auch wenn uns der Lithium-Ionen-Akku z.B. in Smartphones täglich begleitet, ist der Ladeprozess langsam und die Kapazität beschränkt. Vorallem seit sich die Autoindustrie sehr zielstrebig in Richtung Elektromobilität bewegt, werden die unzureichenden Fähigkeiten dieser Energiespeicher deutlich.

Deshalb stellt sich die Frage, ob man die gewünschte Revolution durch effizientere Materialien innerhalb der Batterie oder vielmehr durch eine gänzlich andere Technologie erreichen kann. An diesem Punkt setzt Nunzio La Vecchia, Gründer der NanoFlowcell Holdings Ltd, an. Geht es nach ihm, tankt man künftig wie gewohnt innerhalb von Minuten an der Zapfsäule nach – allerdings Energie statt Benzin! Mit Hilfe seiner nanoFlowcell will er Elektromobilität auf diese Weise effizienter und sicherer gestalten und eine Batterietechnologie zum Einsatz bringen, die laut dem Unternehmen besser ist als alles bisher Dagewesene.

Wie soll das funktionieren?

Jetzt wird es kurz technisch! Während eine herkömmliche Batterie eine geschlossene Einheit darstellt, besteht die nanoFlowcell aus drei Teilen – einer Flusszelle, getrennt durch eine Membran, und zwei separaten Kreisläufen für je eine positiv und eine negativ geladene Flüssigkeit. Werden diese Flüssigkeiten entlang der Membran gepumpt, findet Ionenaustausch statt und die Elektrizität steht umgehend zur Verfügung!


Das Grundkonzept einer Flusszelle, Quelle: nanoFlowcell Holdings Ltd

Was ist der Unterschied zur herkömmlichen Batterie?

Die verfügbare Energie, ergo die mögliche Reichweite eines Elektroautos, ist somit unabhängig von der Zellgröße, also der Batterie. Der ausschlaggebende Faktor ist wie in bisherigen Autos die Größe des Tanks. Je mehr, desto besser. Durch diese Technologie gehören lange Ladezeiten der Geschichte an und das Elektroauto wird auch für Langstrecken zu einer echten Alternative. Laut dem Unternehmen erreicht der Testwagen „Quantino“ mit einer Tankfüllung bereits eine Reichweite von über 1.000 km. Elektrofahrzeuge, die mit reinen Akkus betrieben werden, haben hingegen erst vor kurzem die 300 km Marke geknackt und sind danach definitiv nicht innerhalb von 5 Minuten wieder einsatzbereit.

Woher kommt die Energie?

Die mehrfach angesprochene Flüssigkeit, nicht weniger als der potenzielle Energieträger der Zukunft, wird von dem Unternehmen als BI-ION bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Elektrolytflüssigkeit, in der die Energie chemisch gebunden wird. Diese Flüssigkeit ist im Gegensatz zu den herkömmlichen Einsatzmitteln wie Benzin, Diesel, Wasserstoff oder Akkus weder umwelt- noch gesundheitsschädlich, brennbar oder explosiv. In der Herstellung ist bi-ION günstiger als alles vorab Genannte und wird zudem aus gängigsten Materialen produziert. Es kommen keine Edelmetalle oder Metalle seltener Erden zum Einsatz! Alle nötigen Rohstoffe sind in großen Mengen verfügbar, können nachhaltig gewonnen und umweltverträglich entsorgt werden.

Nachdem die Energie verbraucht ist, wird die Flüssigkeit innerhalb des Fahrzeugs gefiltert, sodass am Ende nur noch zerstäubter Wasserdampf in die Atmosphäre freigesetzt wird. Der dafür benötigte Filter wird vom Fahrer selber kinderleicht alle 10.000 km getauscht und kann ebenfalls umweltgerecht recycelt werden.

Ist diese Technologie alltagstauglich?

In vielen Ländern läuft der Umstieg auf Elektrofahrzeuge schleppend. Dabei muss man allerdings auch ehrlich hinterfragen, wer sich ein solches Gefährt zulegt, wenn man zuerst eine Zapfsäule in seiner Nähe finden muss und bei einer Tour durch Deutschland eine separate Geldbörse mit 10 Tankkarten für die verschiedenen Stromanbieter und deren Zapfsäulen benötigt. Auch hierfür hat nanoFlowcell eine einfache Lösung. Denn im Gegensatz zur bisherigen Technologie, müsste kein vollkommen neues Tankstellennetzwerk aufgebaut werden. Durch leichte Modifikationen der Zapfsäule und dem Zapfhahn können die bereits bestehenden Tankstellen bi-ION ins Sortiment aufnehmen.


Die Betankung mit bi-ION, Quelle: nanoFlowcell Holdings Ltd

Laut der nanoFlowcell Holdings Ltd ist das Konzept nun reif für den Markt und scheint alles Bisherige in den Schatten zu stellen. Wer braucht bessere Akkus oder Autos mit fossilen Brennstoffen, wenn diese Technologie die besten Eigenschaften beider Seiten in sich vereint? In der Theorie klingt das Alles mehr als vielversprechend, doch erst die kommenden Monate und Jahre werden zeigen, ob das Unternehmen tatsächlich die Giganten der Automobilindustrie von sich und seinem Produkt überzeugen kann.


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