• Alex

In New York entsteht der erste unterirdische Park der Welt



Konzeptskizze der 'Lowline' - Quelle: The Lowline

Verdreckte Stationen, drückende Hitze, stickige Luft und Ratten auf den Gleisen – die New Yorker U-Bahn ist nicht gerade für ihren ausschweifenden Komfort bekannt. Umso erstaunlicher mutet deshalb der Plan von zwei jungen New Yorkern an, die gerade die Schlagzeilen der lokalen Tagesblätter bestimmen. Dan Barash und James Ramsey wollen eine verlassene U-Bahn-Station in den ersten unterirdischen Park der Welt verwandeln – inklusive Vegetation und Tageslicht! Auf den ersten Blick scheinen diese krassen Gegensätze beinahe unvereinbar. Doch das dynamische Duo hat sich bereits einen konkreten Plan ausgedacht, wie das Projekt ‚Lowline‘ schnellstmöglich Realität werden kann.



Neuer Impuls für die Lower East Side

Bei dem Standort für den geplanten Park handelt sich um eine vor 70 Jahren stillgelegte Haltestelle in der Lower East Side. Die Station ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten, als in New York noch Straßenbahnen fuhren. Seit deren Abschaffung im Jahr 1948 hat die Endstation allerdings ihre Daseinsberechtigung verloren und rottet nun zunehmend vor sich hin. Wer heute mit der Metro von Brooklyn nach Manhattan über die Williamsburg Bridge fährt, kann einen Blick in das vermüllte und rußgeschwärzte Areal werfen.


Die alte Straßenbahn-Station in der Lower East Side



Woher kommt das Licht?

Geht es nach den beiden Gründern, soll sich dieser Anblick jedoch schon bald zum Besseren wandeln und die verrosteten Stahlträger einer 5.500 Quadratmeter großen Oase mit zahlreichen Bäumen und unterschiedlichsten Pflanzen weichen. Genau darin liegt aber eine große technische Herausforderung. Wie sollen Pflanzen 365 Tage im Jahr ohne Sonnenlicht überleben? Indem man es unter die Erdoberfläche leitet! Das Konzept sieht vor, dass das Sonnenlicht zunächst von Parabolspiegeln an der Oberfläche aufgefangen und dann auf seine 30-fache Stärke gebündelt wird. Anschließend lenken Glasfaserkabel das Licht unter die Erde. Im Prinzip funktioniert dich Technik wie ein Wasserschlauch: Die Kabel leiten das Licht dorthin, wo es gebraucht wird - sogar um Ecken und Kurven. Eine metallene Deckenkonstruktion empfängt schließlich die Strahlen und verteilt sie unter der Erde. Das auf diese Weise gesammelte Licht soll ausreichen, um Photosynthese zu ermöglichen und die Pflanzen wachsen zu lassen. An bewölkten Tagen oder bei Dunkelheit wird zusätzlich künstliches Licht genutzt.



Crowdfunding und Geldsorgen

Dass das Konzept nicht nur in der Theorie funktioniert, konnte das Team der ‚Lowline‘ bereits unter Beweis stellen. Über Crowdfunding gelang es Barash und Ramsey, rund 150.000 Dollar einzusammeln. Damit wurde das ‚Lowline Lab‘ finanziert, eine 60 Quadratmeter große Miniversion des Parks, die in 1.5 Jahren mehr als 100.000 Besucher anlocken konnte. In der Folge hat sich das Projekt eine vorläufige Zusage der Stadt New York für den Standort in der Lower East Side gesichert.


Die größte Herausforderung besteht im Moment darin, die benötigten 80 Millionen Dollar für die Umsetzung aufzutreiben. Dass die Stadt die Kosten bedingungslos übernehmen wird, ist ausgeschlossen: Schließlich ist in New York nahezu jeder Quadratmeter Fläche kommerzialisiert und öffentliche Investition müssen sich stets gegen das Totschlagargument der Steuerverschwendung durchsetzen.


Besichtigung des Lowline Lab

Die 'Highline' als Vorbild

Kritiker können das Projekt aufgrund der hohen Kosten eh nur belächeln. Dabei scheinen sie aber eine entscheidende Tatsache zu vergessen: Ein anderes New Yorker Park-Projekt ist vor 10 Jahren ähnlich gestartet – und zählt mittlerweile zu den beliebtesten Touristen-Attraktionen der Stadt mit mehreren Millionen Besuchern pro Jahr. Der ‚Highline‘ Park wurde auf einer stillgelegten Hochbahntrasse im schicken Stadtteil Chelsea angelegt und schlängelt sich auf einer Länge von rund 2,3 Kilometern durch den Großstadtdschungel. Alleine die erste von drei Bauphasen hat damals rund 150 Millionen Dollar verschlungen. 70% der Finanzierung wurde über private Mittel gestemmt. Der Erfolg der ‚Highline’ stimmt Barash und Ramsey auch trotz der mittlerweile 10-jährigen Planungsphase optimistisch, die ‚Lowline‘ wie geplant bis zum Jahr 2021 eröffnen zu können.


Der beliebte Highline Park im Westen von New York City


Inspiration oder Utopie?

Bislang hat noch niemand einen unterirdischen Park gebaut. Warum auch? So interessant die Idee auch klingen mag, ist sie aus rationalen Gesichtspunkten selbst für New Yorker Verhältnisse völlig überdreht. Auf der anderen Seite ist die ‚Lowline‘ eine großartige Vision, weil sie zeigt, wie Bürger den öffentlichen Raum erobern können und Nachhaltigkeit Einzug in den urbanen Raum erhält. Viel wichtiger ist aber, dass die Lowline Technik zum Katalysator für eine Technik werden könnte, die Architekten möglicherwiese eine neue Dimension bei der Arbeit mit Tageslicht eröffnet. Häuser werden immer höher, Energie teurer und Nachhaltigkeit wichtiger. Die Lowline kann also durchaus als Pilotprojekt für eine neue Art der natürlichen Beleuchtung gesehen werden. Wer weiß, vielleicht wird der Erfolg dieser Technologie einmal hier begonnen haben, in einer verlassenen Station in New Yorks Untergrund.


Ebenfalls interessant


  • Grey Facebook Icon
  • Grey Instagram Icon
  • Grey LinkedIn Icon

Copyright © 2019. Created by Next Big Thing.