• Chris

Wie ein Münchner Start-Up das Flugtaxi zur Realität werden lässt

Aktualisiert: 23. Apr 2019



Während sich Großstädte vor Verkehr kaum noch retten können, sehen Visionäre darin das Potential, die Verkehrsinfrastruktur grundlegend zu verändern. Denn die steigende Anzahl an vorgestellten Luft-Taxis deutet zweifellos darauf hin, dass die Luftfahrt auch innerstädtisch in naher Zukunft eine große Rolle spielen wird. Die meisten Unternehmen setzen dabei auf Quadrocopter, die auf den ersten Blick eher einem Helikopter als einem Flugzeug gleichen. Ein Münchner Unternehmen sticht dabei besonders hervor und könnte das junge Marktsegment bereits zu Teilen revolutionieren. Die Rede ist von Lilium!


Up-and-Comer der deutschen Start-Up Szene

“Our mission is to enable a world where everybody can fly anywhere, anytime.” – So lautet die Mission der Lilium GmbH. Das 2015 von den vier TU-München-Absolventen Daniel Wiegand, Sebastian Born, Patrick Nathen und Matthias Meiner ins Leben gerufene Unternehmen verfolgt die Vision einer neuen Art der rein-elektrischen Beförderung im Nahverkehr. Dafür erhielt das Quartett 2018 den ‚Early Stage Company of the Year‘ Award für die zukunftsträchtigste Cleantech! Mit Investitionssummen, die in der deutschen Start-Up Szene nicht alltäglich sind - aktuell mehr als 100 Millionen Dollar - ist Lilium auf dem besten Weg zum „Uber“ der Lüfte zu werden. Auch der Finanzchef des MDax-Konzerns Uniper, Christopher Delbrück, sieht das Potential des Unternehmens und wechselt daher im August dieses Jahrs zu dem Münchner Start-Up. Damit ist er nicht allein, wie einige hochrangige Einstellungen der letzten Monate zeigen. Der tatsächliche Einsatz von Flugtaxis dürfte aber in großen Teilen der Welt aufgrund der fehlenden Regularien noch einige Jahre dauern. Doch zeigen Unternehmen wie Volocopter und Lilium, dass die Prototypen bereits auf dem besten Weg zur Alltagstauglichkeit sind.



Vertical Take-Off and Landing

Flugbasierte Personenbeförderung im Nahverkehr ist ein Konzept, das in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erlebt hat. Obwohl sich die Rotorentechnologie wie bei einer Drohne als Design durchzusetzen scheint, überzeugt Lilium mit ihrer eigens entwickelten Technologie, welche in jedem Punkt überlegen wirkt. Denn das Münchner Unternehmen entwickelt den weltweit ersten elektrischen „Vertical Take-Off and Landing“ kurz VTOL Jet. Rein elektrisch und leiser als ein Motorrad. Fünf Passagiere soll der Lilium Jet eines Tages mit bis zu 300 km/h und einer Reichweite von 300 km befördern. Andere Technologien wie Flugautos können sehr schnell fliegen, aber sind in ihrer Konstruktionsweise eher komplex und benötigen Landebahnen. Quadrocopter oder der Volocopter sind hingegen simpel aufgebaut, aber gleichzeitig sehr ineffektiv was Geschwindigkeit, Reichweite und Ladekapazität angeht. Lilium vereint das beste beider Varianten und hat einen Senkrechtstarter mit 36 Strahltriebwerken entworfen. Diese funktionieren ähnlich wie die Triebwerke eines Passagierflugzeugs, jedoch rein elektrisch! Einmal in der Luft, wechselt der Jet nahtlos über die bis zu 90° verstellbaren Elektromotoren in den Vorwärtsflug. In diesem Modus wird der nötige Auftrieb wie bei einem herkömmlichen Flieger durch die Tragflächen erzeugt und der Energieverbrauch drastisch reduziert. Im Vergleich dazu schafft es der vor Kurzem von Airbus und Siemens vorgestellte „CityAirbus“ gerade einmal auf 50 km. Zusätzlich dienen die verstellbaren Motoren als Steuerelement und bieten höchste Manövrierbarkeit zu jedem Zeitpunkt. Leitwerk, aerodynamische Steuerklappen und vieles mehr fällt damit weg, wodurch sich die beweglichen Teile des Jets auf ein Minimum belaufen und die Wartungskosten reduziert werden.


Sicherheit an erster Stelle

Während wir uns gerade erst an selbstfahrende Autos gewöhnen, scheint es für den ein oder anderen möglicherweise absurd, für eine Kurzstrecke buchstäblich abzuheben. Um die Vorbehalte der Fluggäste auszuräumen, steht deshalb Sicherheit bei Lilium an erster und zweiter Stelle, wodurch das Team gleichzeitig neue Standards für die Luftfahrt definieren will. Der Jet bietet Sicherheit im Überfluss: Neben Redundanz-Systemen für die On-Board Computer und die Energiezufuhr wurde das Innenleben in eine Vielzahl unabhängiger Komponenten aufgeteilt. Die Ummantelung eines jeden Triebwerks hält theoretisch seiner eigenen Zerstörung stand, um die umliegenden Triebwerke nicht zu beschädigen. Selbst mit mehreren Ausfällen ist eine sichere Landung möglich. Dennoch ist jeder Jet zusätzlich mit einem „Full Aircraft Parachute“ ausgestattet, der im schlimmsten Fall für eine sanfte Notlandung sorgt.



Der Jungfernflug

Am 20. April 2017 war es so weit. Der unbemannte Erstflug eines zweisitzigen Prototyps wurde erfolgreich absolviert. Nicht nur ist der Lilium Jet überhaupt abgehoben, sondern konnte gleichzeitig unter Beweis stellen, dass er problemlos vom schwebenden Zustand in den Vorwärtsflug wechseln kann. Die nächsten Tests mit einem voll-funktionsfähigen Fünfsitzer sowie erste bemannte Flüge sind für die nahe Zukunft geplant.


Abheben auf Knopfdruck

So einfach wie genial stellen sich die Gründer das Firmenkonzept vor. Das Lufttaxi für bis zu 5 Personen wird mithilfe der eigens designten App via Knopfdruck zum nächst gelegenen Landeplatz gerufen. Während die Abholstationen anfangs von Lilium betrieben werden sollen, ist für die Zukunft angedacht, dass Drittanbieter das Netzwerk ausbauen werden. Bis zu 5x schneller als mit dem Auto und mit einer spektakulären Aussicht könnte man dann über den Berufsverkehr hinweg schweben. Die VTOL Technologie und hervorragende Manövrierbarkeit sollen dabei Start- und Landungen mitten im Stadtzentrum ermöglichen. Gezahlt wird nach dem Pay-per-Ride Modell, wobei die Kosten einem Zugticket oder einer gleichwertigen Taxifahrt entsprechen dürften. Obwohl viele Unternehmen bereits an vollkommen autonomen Drohnen und Flugtaxis arbeiten, möchte Lilium anfangs einen Piloten ans Steuer setzen. Das bestärkt eine Aussage von CEO Daniel Wiegand, wonach die Jets bereits vor der Einführung eines flächendeckenden 5G Netzwerkes abheben sollen. Dieser Daten- und Kommunikationsstandard wäre unverzichtbar, damit vollkommen autonome Flugtaxis unfallfrei und vernetzt fliegen können.



Die Vision der Unternehmer

In 5 statt wie bisher mit dem Taxi 55 Minuten von JFK International Airport nach Manhattan für $13. Das ist eines der definierten Ziele von Lilium und bei erfolgreicher Umsetzung vermutlich ein Selbstläufer. Denn Kurzstrecken können durch die heutige Verkehrssituation in Großstädten zum Albtraum werden. Lilium will das Potential seiner Jets daher auch dafür nutzen, den Lebensraum innerhalb und außerhalb von Großstädten wieder attraktiver zu machen. Pendler könnten dank leichter Überwindung von großen Distanzen den horrenden Mietkosten, starkem Berufsverkehr und hohem Zeitverlust den Rücken kehren. Das Potential und auch der Bedarf für den Lilium Jet ist zweifelsohne vorhanden, weswegen beispielsweise die Schweizerische Bundesbahn (SSB) bereits konkrete Verhandlungen über den Einsatz der Flugtaxis aufgenommen hat.


Bis zum offiziellen Jungfernflug werden wir dennoch etwas warten müssen. Lilium selbst hat den Startschuss für das Jahr 2025 angesetzt. Zwar behaupten kritische Stimmen, dass die Angaben des Unternehmens zu ihrem Jet mit heutiger Batterietechnologie nicht umzusetzen sind, doch hält Lilium an der Technologie und auch an seinen bisherigen Aussagen fest! Wenn es also in München so weit ist, sitzen wir mit Sicherheit voller Genuss mit an Bord.


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