• Alex

‚Wing‘ liefert Pakete per Drohne bis zur Haustür


Eine Drohne von Wing im Einsatz - Quelle: Wing

Lange Zeit war es ruhig um die sagenumwobene ‚X Moonshot Factory‘ des Software-Riesen Google, doch in jüngster Zeit haben diverse Projekte aus der Ideenschmiede ihren Weg in die Schlagzeilen gefunden. Mit ‚Waymo‘ wurde beispielsweise der weltweit erste autonome Taxiservice gestartet und mit ‚Loon‘ will der Konzern noch in diesem Jahr mobiles Internet in die entlegensten Orte Kenias bringen. Als wäre das nicht bereits genug, steht nun die nächste Premiere bevor, denn ‚Wing‘ hat in den USA als erstes Unternehmen grünes Licht für Lieferungen per Drohne bekommen – ein Meilenstein für das junge Spin-Off und ein Paukenschlag für die Logistikbranche!


Google vs. Amazon

Auch wenn Amazon einst den Stein ins Rollen gebracht hat, liegt Google im Wettstreit der Tech-Giganten nun in Führung: Die Zulassung als Fracht-Fluglinie bedeutet für Wing, dass dem Start von kommerziellen Flügen nichts mehr im Wege steht! Zwar gilt die Lizenz der US-Luftfahrtbehörde FAA zunächst nur für zwei ländliche Regionen im Bundesstaat Virginia, doch das bietet Wing dennoch die Gelegenheit, im schwer umkämpften Geschäft mit Drohnenzustellungen Fuß zu fassen. Denn nicht nur der Handelsgigant Amazon, sondern auch der Fahrdienstvermittler Uber und diverse Paketdienste wie UPS und DHL haben bereits eigene Lieferdrohnen entwickelt, die bislang aber nicht über den Testbetrieb hinausgekommen sind.


Protopyp namens ‚Hummingbird‘

Wing arbeitet seit nunmehr sechs Jahren an seinem ‚Hummingbird‘ genannten Prototyp. Der Flieger schafft eine Höchstgeschwindigkeit von 125 Stundenkilometer, kommt auf eine Reichweite von 20 Kilometern und kann Pakete mit einem Gewicht von bis zu 1.5 Kilogramm transportieren. Nutzer können sich per App ein Paket direkt an die Haustür liefern lassen. Aus Sicherheitsgründen landet der Hummingbird allerdings nicht am Boden, sondern lässt die Lieferung mit einer Seilwinde herab. Diese Technik schützt Wing gleichzeitig vor Vandalismus und Diebstahl.


70.000 Testflüge in 6 Jahren

Laut eigenen Angaben haben die flinken Quadrocopter von Wing bereits mehr als 70.000 Testflüge hinter sich und konnten dabei rund 3.000 Pakete zustellen. Die bisherigen Tests wurden stets auf Grundlage von Sondergenehmigungen durchgeführt. Das aufwändige Zulassungsverfahren ist deswegen notwendig, da die speziell für den Betrieb von Drohnen geltenden Regeln einen kommerziellen Lieferbetrieb nicht zulassen. So müssen sich Drohnenpiloten beispielsweise stets in Sichtweite der Quadrocopter befinden, wohingegen die Wing-Drohnen an zentralen Orten von Piloten ferngesteuert werden. Als Unterstützung kommt ein ‚Unmanned Traffic Management‘ (UTM) System zum Einsatz, das die Flüge vom Start bis zur Landung plant und dafür sorgen soll, dass es keine Kollisionen mit anderen Drohnen, Bäumen oder Gebäuden gibt.


Amerika, Australien, Europa

Mit der neu erworbenen Lizenz will Wing zunächst mit lokalen Firmen und Geschäften kooperieren, um Essenslieferungen oder Medikamente schnellstmöglich zu Kunden bringen zu können. Neben dem Aufbau des US-Geschäfts, hat Wing auch weitere Standorte in Australien und Finnland in Angriff genommen. Gerade die Tests in Finnland sollen zeigen, ob die Drohnen auch unter extremen Wetterbedingungen im Dauerbetrieb überstehen können.


Bessere CO2-Bilanz

Wing sieht in seinem Service zwei grundlegende Vorteile gegenüber herkömmlichen Logistik-Anbietern. Zum einen sind Lieferungen per Drohnen schneller und können unabhängig von Verkehr oder Infrastruktur erfolgen. Gerade in ländlichen Gegenden stellt dies einen riesigen Vorteil dar. Zum anderen können die Drohnen emissionsfrei betrieben werden und stellen daher eine umweltfreundlichere Alternative zu Autos oder Lastwägen dar. In den US alleine können 27% der Treibhausgas-Emissionen auf den Transport von Gütern zurückgeführt werden. Auch wenn Lieferdrohnen nur für einen Nischenmarkt geeignet sind und ihr Einfluss auf die CO2-Bilanz marginal wäre, zeigen sie dennoch einen Schritt in die richtige Richtung. Dem gegenüber stehen allerdings die negativen Aspekte von Drohnen wie beispielsweise die hohen Lärmbelästigungen durch die 14 Propeller pro Flieger. Auch sicherheitsrelevante Aspekte gilt es zunächst noch zu klären. Momentan dürfen Drohnen nicht über Menschenmengen oder städtischen Gebieten fliegen. Damit sind die Lieferdrohen vorerst nur in ländlichen Gebieten geeignet, nicht aber in Metropolregionen.


Fazit

Zweifelsohne ist die Fluglinien-Lizenz für Wing nicht nur für die Google-Tochter ein großer Schritt, sondern könnte der ganzen Branche zum endgültigen Durchbruch verhelfen. Denn erstmals hat die FAA nun ein Verfahren ausgearbeitet, das die Bedingungen für die Zulassung an die Erfordernisse eines Drohnenbetreibers anpasst. Ob sich Drohnen eines Tages tatsächlich im Mainstream etablieren können, ist aktuell nur schwer abzusehen. Doch die immer weiter steigenden Anforderungen an Logistikunternehmen werden dem Geschäft mit Drohnen sicherlich auch in den kommenden Jahren weiteren Auftrieb geben.




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