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Jeddah Tower - Dieser Turm wird einen Kilometer hoch!

Aktualisiert: 13. Apr 2019


In Saudi-Arabien entsteht der höchste Wolkenkratzer der Welt. Errichtet wird er von der Bin-Laden Gruppe. Korruptionsvorwürfe und finanzielle Engpässe haben allerdings dazu geführt, dass der Turm langsamer als erwartet in die Höhe wächst.


©Adrian Smith + Gordon Gill Architecture/Jeddah Economic Company

140 Jahre sind vergangen, seit es dem Engländer Sidney Gilchrist Thomas gelang, Stahl so zu härten, dass vergleichsweise schmale Eisenträger problemlos auch großen Lasten widerstehen können. Die Erfindung des Stahlskelettbaus sollte einer Revolution der Architektur gleichkommen. 1930 war die Technik bereits so ausgereift, dass das 381 Meter hohe Empire State Building innerhalb eines Jahres errichtet werden konnte. Seither liefern sich Architekten ein regelrechtes Wettrennen um immer höhere Gebäude, das seinen vorläufigen Höhepunkt mit dem 828 Meter hohen Burj Khalifa in Dubai erreicht hat. Zehn Jahre nach dessen Eröffnung schickt sich nun der Nachbar-Emirat Saudi-Arabien an, einen Turm zu bauen, der erstmals in der Geschichte die magische Marke von einem Kilometer durchbrechen könnte – ein Meilenstein!


Ein neues Wahrzeichen

1007 Meter soll der Jeddah Tower in der Hafenstadt Dschidda am Roten Meer in die Höhe ragen, wenn er im Jahr 2020 fertiggestellt wird. Damit wird er den aktuellen Rekordhalter im benachbarten Dubai um 179 Meter übertreffen. Die anfangs angepeilte Höhe von 1.600 Metern musste aufgrund der ungünstigen Bodenbeschaffenheiten in der saudischen Millionenstadt schnell verworfen werden. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Jeddah Tower einen beeindruckenden Rekord in der Architektur setzen wird. Für den verantwortlichen Architekten Adrian Smith wird es nicht der erste sein. Er ist ein alter Bekannter im Hochhausbau und war bereits für den Bau des Burj Khalifa verantwortlich.


270.000 Quadratmeter Nutzfläche

Auf insgesamt 135 Etagen wird nach Fertigstellung Platz für ein Four-Season-Hotel, zahlreiche Büros und 333 Luxuswohnungen sein. Doch auch Touristen werden auf ihre Kosten kommen: Sie können auf der welthöchsten Plattform die Aussicht bis auf den afrikanischen Kontinent genießen.

Mindestens genauso rekordverdächtig wie die Größe wird die Infrastruktur sein: Insgesamt wird der Megaturm 58 Fahrstühle beherbergen, darunter vier Fahrstühle mit Doppeldeckerkabinen und zwei mit Trippeldeckerkabinen. Die schnellsten von ihnen sollen bis zu zehn Meter pro Sekunde zurücklegen. Dennoch werden rund eine Minute und 40 Sekunden vergehen, um vom ersten bis zum obersten Stockwerk zu gelangen.


Zäher Baufortschritt

Bis zur Eröffnung ist es aber noch ein weiter Weg. Ende 2012 wurde mit den Arbeiten am Fundament begonnen. Über 10 Monate hinweg mussten 270 Pfähle mit einer Länge von bis zu 110 Metern in den sandigen Boden gebohrt werden, bevor anschließend das massive 60 Meter tiefe Fundament gegossen wurde. Mit der Menge an Beton, die hierfür nötig war, hätten 15 olympische Schwimmbecken gefüllt werden können. Erst 2014 wurde mit dem Bau der 135 Etagen begonnen. Korruptionsvorwürfe und finanzielle Engpässe hatten allerdings zu einem zwischenzeitlichen Baustopp des 1,2 Milliarden schweren Megaprojekts geführt, da der Einbruch des Ölpreises dem Emirat schwer zu schaffen machte. Als Retter in der Not ist schließlich die Investment-Tochter der saudischen Alinma-Bank eingesprungen. Über einen Fonds steuert sie umgerechnet 2,1 Milliarden Euro für den Bau des Turms und eines dazugehörigen neuen Stadtviertels bei. Der ursprüngliche Eröffnungstermin in 2018 konnte dennoch nicht mehr eingehalten werden. Laut CNN soll der Wolkenkratzer aber bis 2020 fertiggestellt sein.


Ein Prestigeprojekt

Für Saudi-Arabien ist der Jeddah Tower das Prestigeprojekt des Jahrhunderts. Um den Turm herum wird zusätzlich ein ganzes Stadtviertel entstehen, welches Dschidda in das 21. Jahrhundert katapultieren soll. Die Hafenstadt ist die zweitgrößte Stadt des Landes und gilt seit jeher als das Tor zu den heiligen Stätten in Mekka. Jedes Jahr pilgern mehr als 2,5 Millionen Muslime aus aller Welt zu ihnen. Fast alle Pilger reisen über den König-Abd-al-Aziz-Flughafen in Jeddah an. Das Kalkül der saudischen Herrscher: Bereits beim Landeanflug auf das Tor nach Mekka sollen die Gläubigen den Jeddah Tower erblicken – und ergriffen werden von der Macht der Königsfamilie.


Terrorismus ist allgegenwärtig

Der hohe Symbolcharakter schürt natürlich auch Angst vor Terrorismus. Seit 9/11 gelten Wolkenkratzer als potenzielles Ziel erster Ordnung. Doch bislang schien das Königreich vor Terroranschlägen sicher. Tatsache ist, dass private Finanziers des Landes in der Vergangenheit radikale Terrormilizen wie al-Qaida und den Islamischen Staat im Irak und Syrien unterstützt haben. Seit jedoch die Königsfamilie dies auf Druck der USA unterbunden hat, gab es diverse Anschläge des IS gegen saudische Sicherheitskräfte im Land. Die Saudis sagen, alle erdenklichen Sicherheitsvorkehrungen würden beim Bau getroffen. Modernste Feuerlöschtechnik soll beispielsweise verhindern, dass sich eine Katastrophe wie in New York wiederholt.


Bin-Laden Gruppe ist Auftraggeber

Eine gewisse Ironie bleibt dennoch bestehen. Schließlich wird das Wunderwerk von Saudi-Arabiens größtem Baukonzern, der Bin-Laden-Gruppe (Saudi Binladin Group) errichtet. Der Sohn des Firmengründers, der bei einem Militäreinsatz der USA getötete Osama bin Laden, war für den Anschlag auf das World Trade Center im Jahr 2001 verantwortlich. Nun bauen die Verwandten des Terroristen den höchsten Wolkenkratzer der Welt.


Wettrennen um das höchste Gebäude

Davon ungeachtet ist fraglich, wie lange der Turm den Titel als größtes Gebäude der Welt tragen wird. In Dubai wird momentan an dem Dubai Creek Tower gearbeitet, der ebenfalls 2020 pünktlich zur Expo eröffnet werden soll. Im Gegensatz zum Jeddah Tower wird dieser Turm allerdings nicht bewohnbar sein. Anders sieht es mit „The Bride“ aus, einem geplanten 1.152 Meter hohen Wolkenkratzer in der irakischen Stadt Basra. Vor dem Ende des dortigen Krieges ist aber nicht mit einem Baubeginn zu rechnen. Deswegen hat der Jeddah Tower, der anfangs den Namen Kingdom Tower trug, gute Chancen, zumindest für eine gewisse Zeit den Titel des höchsten Gebäudes der Welt zu tragen.

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