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Istanbul Airport - Der größte Flughafen Europas

Aktualisiert: 12. Apr 2019


In Istanbul wurde ein neuer Flughafen für 90 Millionen Passagiere pro Jahr fertig gestellt, womit er zum größten Flughafen Europas aufsteigt. Die Eröffnung verzögert sich allerdings. Auch sonst hagelt es Kritik für das Prestige-Projekt von Erdogan.


So groß wird der neue Airport - Quelle: iGA

Istanbuls geografische Lage an der Nahtstelle zwischen Europa und Asien ist einzigartig und liefert beste Voraussetzungen für den internationalen Flugverkehr. Deswegen wird momentan im Norden der Millionenstadt ein gigantischer Flughafen erbaut. Für gewöhnlich würden wir an dieser Stelle euphorisch über das spektakuläre Milliardenprojekt berichten, doch die Gerüchte über unmenschliche Arbeitsbedingungen und zahlreiche Todesopfer trüben kurz vor der Eröffnungsfeier unseren Blick auf das Prestigeprojekt von Präsident Erdogan.


Gigantisch groß

Das ist schade, denn schließlich sind die reinen Fakten zu dem Mega-Flughafen spektakulär. In einer Rekordzeit von 4 Jahren wurde auf einer Fläche von 76 Millionen Quadratmetern der größte Flughafen Europas aus dem Boden gestampft. Der erste Bauabschnitt, der am 29. Oktober eröffnet wird, umfasst 2 Landebahnen, einen 95 Meter hohen Tower und ein massives Zentralterminal für 90 Millionen Fluggäste. Zum Vergleich: Der Flughafen Frankfurt am Main kam im vergangenen Jahr auf eine Kapazität von 64,5 Millionen Passagiere. Doch damit nicht genug. Bis zum Jahr 2022 sollen fünf Landebahnen in Betrieb sein, für 2028 ist sogar eine sechste Piste geplant. Vollständig fertiggestellt dürften eines Tages bis zu 200 Millionen Passagiere jährlich von, nach und über Istanbul fliegen können. Damit wäre der Istanbul Airport der größte Flughafen der Welt und würde mit Drehkreuzen wie Atlanta, Peking oder Dubai in einer Liga spielen.


Ein Blick auf die Baustelle - Quelle: iGA

Opfer des Flughafens

Für dieses Ziel sind insgesamt rund 31.000 Arbeiter auf der Baustelle beschäftigt. Sie zahlen den Preis für das spektakuläre Projekt. Denn im Laufe der Bauarbeiten gerieten immer wieder Berichte über miserable Bedingungen auf der Baustelle an die Öffentlichkeit. Einem Artikel der regierungskritischen Oppositionszeitungen „Cumhuriyet“ zufolge sollen insgesamt 400 Bauarbeiter gestorben sein. Diese Zahl basiert allerdings auf den Mutmaßungen eines auf der Baustelle beschäftigten LKW-Fahrers und wird von Experten als unrealistisch eingestuft. Dennoch hat die Regierung in einer Stellungnahme eingeräumt, dass bislang mindestens 27 Arbeiter bei Unfällen am Flughafen starben. Gegen die schlechten Arbeitsbedingungen und den massiven Zeitdruck haben Mitte September sogar 500 Bauarbeiter gestreikt. Sie wurden anschließend von der Polizei festgenommen.


Kritik am umstrittenen Projekt

Die Sicherheitsmängel sind jedoch nicht das einzige Problem – auch die Umwelt leidet an den hochtrabenden Plänen der Regierung. Im Norden Istanbuls befinden sich die letzten intakten Wälder rund um die Millionenmetropole. Laut Umweltschützern wurden und werden für das Megaprojekt rund 2,7 Millionen Bäume gefällt. Zwar gibt die Regierung an, im Gegenzug rund fünf Millionen neue Bäume zu pflanzen, doch wo und wann ist noch nicht bekannt. Zusätzlich zu den Umweltbedenken mussten vor Baubeginn auch zahlreiche Bauern und andere Landeigentümer zwangsenteignet werden, um den Flughafen Realität werden zu lassen. Dabei wurde manchen Eigentümern kurzerhand Geld überwiesen und anschließend ihr Grund genommen – in demokratischen Ländern wie Deutschland undenkbar. Zwar ziehen sich hierzulande Bauprojekte durch die bürokratischen Verfahren in die Länge, aber dafür kann die Regierung nicht ohne Rücksicht auf die sozioökonomischen Folgen ihre Interessen durchpeitschen. Nicht umsonst hat die Planung der Nordwest-Landebahn für den Frankfurter Flughafen 14 Jahre in Anspruch genommen...


Ein Blick ins Innere - Quelle: iAG

Istanbul als Konkurrenz für Dubai

Trotz aller Kritik soll am 29. Oktober, dem türkischen Nationalfeiertag, der neue Flughafen in Istanbul feierlich eröffnet werden. Da der eigentliche und sehr ambitionierte Zeitplan am Ende doch nicht komplett eingehalten werden konnte, wird der vollständige Flugbetrieb erst zum Ende des Jahres mit 2-monatiger Verspätung aufgenommen. Erst dann wird sich zeigen, ob sich Istanbul als internationales Drehkreuz etablieren kann. Die Voraussetzungen dafür scheinen auf jeden Fall gegeben. Einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey zufolge verschiebt sich derzeit der Schwerpunkt der Flugbewegungen: Lag dieser in den 1970er-Jahren noch im Atlantik zwischen Europa und den USA, so verschob er sich seitdem kontinuierlich Richtung Osten – die Türkei liegt also im Epizentrum dieser Entwicklung.

Für Präsident Erdogan gibt es keine Zweifel. Er will sich mit diesem Megaprojekt in Istanbul ein Denkmal setzen. Auch wenn der Name des Flughafens momentan noch ein gut gehütetes Geheimnis ist, haben Regierungspolitiker bereits angedeutet, dass er eigentlich nur einen Namen tragen kann: Recep Tayyip Erdogan International.



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