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IONITY - Das heißeste Startup der Elektrobranche?

Aktualisiert: 12. Apr 2019


Quelle: Ionity

Elektromobilität hat es wahrlich nicht einfach. Obwohl die deutsche Autoindustrie von einem Skandal nach dem nächsten erschüttert wird, sind Elektrofahrzeuge noch immer nicht im Mainstream angekommen. Die einen halten Elektroautos für zu teuer, den anderen ist die Reichweite zu gering und wieder andere sehen Probleme in der noch schlecht ausgebauten Ladeinfrastruktur. Letzteres könnte sich aber bald ändern. Denn das deutsche Joint Venture IONITY möchte ein Netz von Schnellladestationen quer durch Europa errichten. Wird das Münchner Startup der Elektromobilität tatsächlich zum Durchbruch verhelfen können?

Momentan gleicht Deutschland im Hinblick auf Elektromobilität noch einer Wüste. Einem Bericht der Bundesregierung zufolge müssen sich im Schnitt 11.800 Menschen eine Elektroauto-Ladestation teilen. Ein schlechter Wert für ein Land, das als Vorreiter beim Klimaschutz und als Pionier beim Ausbau von erneuerbaren Energien gilt. Lediglich der E-Auto Pionier Tesla betreibt aktuell ein flächendeckendes Ladenetz – allerdings sind die „Supercharger“ ausschließlich den hauseigenen Tesla-Fahrzeugen vorbehalten. Die Konkurrenten BMW, Daimler, Ford und Volkswagen können da nichts Vergleichbares bieten. Da sie aber alle bis 2020 rein batteriebetriebene Autos auf den Markt bringen wollen, haben sie letzten Oktober das Gemeinschaftsunternehmen IONITY gegründet. Das Joint Venture hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 insgesamt 400 Ultra-Schnellladestationen mit tausenden Ladepunkten an Europas Fernstraßen aufbauen. Das neue Netz soll damit zum besten und stärksten des Kontinents werden, noch engmaschiger und leistungsfähiger als das von Tesla.


Quelle: Ionity

Die Umsetzung des ambitionierten Vorhabens läuft allerdings schleppend. Obwohl die geplante Fertigstellung nur 2 Jahre entfernt ist, konnte sich IONITY bislang erst 20 Baugenehmigungen sichern. Immerhin konnten die Münchner Ende Juni ihre erste Turbo-Ladestation in Betrieb nehmen. An der Autobahn A 61, an der Raststätte Brohltal-Ost, darf man in den ersten vier Wochen sogar kostenlos laden.

Doch was ist das technisches Highlight von IONITY? Eine Ladeleistung von 350 Kilowatt! Zum Vergleich: Die Tesla-Supercharger bieten maximal 145 kW - also weniger als die Hälfte. Fürs erste dürfte das allerdings ein theoretischer Wert bleiben, denn die meisten E-Autos schaffen eine derartige Druckbetankung nicht. Ein i3 von BMW verkraftet beispielsweise nur 50 Kilowatt. Die Elektronik regelt alles andere herunter, weil die Zellen sonst überhitzen und die Chemie verrückt spielen würde. Das Ultraschnellladen wird also den Fahrzeuggenerationen der Zukunft vorbehalten sein - und wohl auch da nur den Premium-Modellen.

Neben den direkten Wettbewerbern wollen auch Energieversorger und branchenfremde Investoren im Zukunftsmarkt Elektroauto mitmischen. Daher gibt es bereits Gerüchte, dass die Energiekonzerne Engie aus Frankreich, Enel aus Italien und Eon aus Deutschland Interesse an einer Zusammenarbeit mit IONITY bekundet haben. Bestätigt wurden diese Partnerschaften aber nicht. Lediglich der Münchner Energieversorger Polarstern ist offiziell mit an Bord und versorgt die E-Tankstellen im deutschen Raum mit seinem Produkt Wirklich Ökostrom.


Quelle: Ionity

Positiv anzumerken ist, dass IONITY trotz aller Konkurrenz auch markenfremde Autos an seinen Stationen tanken lässt. Selbst die Fahrzeuge von Tesla wären willkommen, heißt es in der Firmenzentrale in München. Das ist nicht verwunderlich, schließlich geht es um Umsatz und da zählt jeder Ladevorgang. Allerdings sind die Tesla-Fahrzeuge mit einer eigenen Steckertechnik ausgestattet, die mit dem standardisierten CCS-System nicht kompatibel ist. Das schließt jedoch nicht aus, dass die beiden Wettbewerber in Zukunft miteinander kooperieren könnten. Tesla ist dem Konsortium CharIN beigetreten, das in Europa und den USA den CCS-Standard fördert. Noch gibt es keine offizielle Bestätigung. Aber wenn Tesla demnächst sein neues Model 3 in Europa auf den Markt bringt, wird dieses womöglich schon mit den IONITY-Säulen kompatibel sein. Gewinnen würde dabei jeder - die beteiligten Unternehmen, die Fahrer der Elektroautos und der Planet Erde.


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