• Chris

Passenger Drones - Wer hebt zuerst ab?

Aktualisiert: 7. Aug 2019


Mit dem ersten erfolgreichen Motorflug läuteten die Gebrüder Wright am 17. Dezember 1903 das Zeitalter der modernen Luftfahrt ein. Wenn man bedenkt, dass dieser Moment nach 12 Sekunden und einer Distanz von 37 Metern endete, haben wir es in den letzten 115 Jahren weit gebracht. Heute gehören Flugreisen zum alltäglichen Leben und sind für die meisten unter uns an Aufregung kaum von einer trivialen Busfahrt zu unterscheiden. Doch wie würde es sich anfühlen, ohne Pilot in einem sich selbst steuernden helikopterähnlichen Gefährt abzuheben? Adrenalin oder purer Genuss?


Gerade hat man sich an den Gedanken gewöhnt, dass in absehbarer Zeit herrenlose Autos durch die Straßen fahren könnten, schon erheben sich andernorts die ersten vollkommen autonomen Passagierdrohnen in die Luft. Auch wenn es sich dabei bislang nur um Testflüge handelt, ist der Einsatz dieser Art von Fortbewegungsmitteln näher als man vielleicht denkt. Heutzutage bucht man ein Auto über DriveNow oder Car2Go, steigt ein und fährt los. In der Zukunft ordert man eine Drohne, ebenfalls via App, welche einen kurz darauf an einem dafür vorgesehenen Landeplatz abholt. Kein Pilot am Steuer und nichts zu tun, außer das Ziel zu definieren, sich zurückzulehnen und die Aussicht zu genießen. Das autonome Flug-Taxi bewerkstelligt den Rest. Doch was für Vorteile ergeben sich daraus? Einerseits ermöglicht diese Art der Fortbewegung, die Reisezeit innerhalb von Metropolen auf einen Bruchteil zu verkürzen. Andererseits erhoffen sich Entwickler und Investoren, dass diese Technologie durch entsprechend hohe Nutzung in Zukunft zu einer Entlastung der bisherigen Verkehrsinfrastruktur führt. Schon heute verbringen Berufspendler in von Stau geplagten Großstädten durchschnittlich 200 zusätzliche Stunden pro Jahr in ihrem Fahrzeug. Um die zukünftig noch weiter steigende Verkehrsbelastung zu stemmen, scheint es daher unausweichlich, entweder verstärkt unter die Erde oder in die Lüfte auszuweichen.

Die Anzahl und Namen der Unternehmen, welche sich in dem Bereich von Fluggeräten des Typs VTOL (Vertical Take-off and Landing) engagieren, lässt erahnen, dass die Zukunft der städtischen Verkehrsinfrastruktur in der Luftbeförderung liegt. Von Airbus bis Boeing, Uber in Kooperation mit NASA, Volocopter mit Unterstützung von Daimler und Intel, EHang aus dem asiatischen Raum bis hin zum Google Gründer Larry Page. Jeder will als erstes den Luftraum über Städten erobern. Jedoch scheint aktuell das deutsche Unternehmen Volocopter im Bereich Luft-Taxi die Nase vorn zu haben.


Photo: Nikolay Kazakov

Bei ihrem aktuellsten Produkt, dem Volocopter 2X, handelt es sich um einen voll-elektrischen Senkrechtstarter – kein Verbrennungsmotor, keine Emissionen. Mithilfe seiner 18 Rotoren, die über Kopf angebracht sind, kann er eine Strecke von bis zu 27 km zurücklegen und erreicht eine maximale Geschwindigkeit von bis zu 100 km/h. Doch kann bei diesem Transportmittel ein Grad an Sicherheit garantiert werden, damit auch der durchschnittliche Verkehrsteilnehmer freiwillig abhebt? Natürlich steht diese Frage bei den Entwicklern an oberster Stelle. Daher wurde jede entscheidende Komponente des Multicopters, von den Motoren, Anzeigen bis hin zu den Batterien und vielem mehr, durch zahlreiche unabhängige Systeme abgesichert, um ein Höchstmaß an Ausfallsicherheit zu garantieren und die Passagiere nicht nur aufsteigen, sondern auch heil wieder landen zu lassen. Käme es widererwartend zu einem Totalausfall, wird das auf dem Dach installierte Fallschirm-System aktiviert und der Volocopter gleitet sanft mit seinen Insassen an Bord zu Boden. In der Theorie klingt das jedenfalls recht gut, aber nun müssen sich diese Technologien in alltäglichen Situationen und jeglichen Wetterlagen beweisen. Dafür hat das in Bruchsal angesiedelte Unternehmen Volocopter bereits 2017 eine Partnerschaft mit den Emiraten vereinbart und umgehend erste erfolgreiche unbemannte Testflüge unter härtesten Bedingungen durchgeführt. Die Behörden in Dubai erwarten, abhängig vom Fortschritt nach einer mehrjährigen Testphase den autonomen Lufttransport als öffentliches Verkehrsmittel etablieren zu können.

Neben den Deutschen präsentiert sich auch EHang als würdiger Mitstreiter um die Lufthoheit. Dem asiatischen Unternehmen ist es allerdings trotz der Tatsache, dass sie als erstes in Gespräche mit den Emiraten verwickelt waren, bis dato nicht gelungen, eine Kooperation zu vereinbaren. Obwohl deren Produkt, der EHang 184, dem deutschen mit einer höheren Endgeschwindigkeit und insgesamt 40 km Reichweite aktuell überlegen ist, weist die Konstruktionsweise der Asiaten eine entscheidende Schwachstelle auf. Im Gegensatz zu Volocopter hat EHang die Rotorblätter neben dem Cockpit in Hüfthöhe der Passagiere angebracht. Sollten diese in irgendeiner Art beschädigt werden, könnte das schwerwiegende gesundheitliche Folgen mit sich ziehen, weswegen definitiv Probleme bei der Zulassung erwartet werden.


Präsentation des EHang 184 (Quelle: TekPulse CES 2017)

Ob diese autonomen Flugsysteme bereits in den kommenden Jahren in Serie produziert und alltäglich genutzt werden, ist unter Experten sehr umstritten. Während einige an den Erfolg glauben, behaupten andere, dass vor allem die zum Einsatz kommenden Batterien nach heutigem Stand noch zu schwer sind, um eine effektive Nutzerlast und Reichweite zu erzielen. Wenn es jedoch soweit ist und die Systeme für jeden zugänglich und buchbar sind, dürfte man auf jeden Fall eine bessere Aussicht genießen als im Bus.

Für weitere Artikel aus diesem Bereich siehe auch: Selbstfahrende Taxis - Die Zukunft von Uber & Co?


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