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E-Scooter - Shared Mobility am Rande des Wahnsinns

Aktualisiert: 12. Apr 2019



Bike- und E-Scooter-Sharing von Lime - Quelle: Lime

Das Konzept hinter „Shared Mobility“ ist so einfach wie genial - teilen statt besitzen! Was mit Ridesharing-Portalen wie mitfahrgelegenheit, heute BlaBlaCar, begann, ist aus dem Alltag vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. Ob Carsharing, Bikesharing oder auch Elektroroller-Sharing, kann man nicht bestreiten, dass diese Konzepte im Großstadtleben den ein oder anderen Vorteil mit sich bringen! Seit kurzem gibt es jedoch einen neuen Trend, bei dem man sich bislang noch nicht einmal wirklich auf einen Namen geeinigt hat.


Der letzte Kilometer

E-Scooter, Elektro-Tretroller oder gar der E-Floater. Wie auch immer man diese neuen Gefährte nennen will, fallen Sie unter den Bereich Micro Mobility und erobern momentan die Städte weltweit. Die Idee dahinter ist, den letzten Kilometer - oder wie die Amerikaner sagen: „the last mile“ - in Angriff zu nehmen. Eine leicht zugängliche Lösung, um auch Kurzstrecken wie z.B. den Weg von der Bahnstation in die Arbeit schneller sowie angenehmer zu gestalten. Die Menschen sollen motiviert werden, das Auto vor allem auf Kurzstrecken stehen zu lassen.

Die Nutzung ist jedem Mobility Sharing Nutzer bereits hinreichend bekannt. Mit der entsprechenden App den nächstgelegenen Scooter via GPS aufspüren, in diesem Fall QR Code abscannen und loslegen. Schon kann man von 7 bis 21 Uhr mit bis zu 24 km/h durch die Städte düsen. Nachts werden die Elektroroller eingesammelt und geladen. Die Kosten pro Fahrt liegen derzeit unabhängig vom Anbieter bei 1€ Grundgebühr und 15 Cent pro Minute. Und der Erfolg spricht für sich. Bird, ein amerikanisches StartUp und der derzeit größte Anbieter im Bereich E-Scooter Sharing, wird bereits mit über 2 Milliarden Dollar bewertet.


Das lukrative Geschäft von Mobility Sharing

Darin liegt jedoch auch eines der Probleme unserer Sharing Kultur. Bird, Lime, Tier Mobility, Wind.co, Uber, Lyft, Spin, Scoot, Floatility - dies sind nur einige der aktuellen Player im E-Scooter Bereich. Jeder will ein Stück vom Kuchen abhaben und dementsprechend viele Mitbewerber sind auf den Trend aufgesprungen. Vor allem in einem lukrativen Bereich mit sehr geringen Anschaffungskosten im 3-4 stelligen Bereich pro Roller. Was ursprünglich einen positiven grünen Effekt auf die Städte haben sollte, kann letztendlich schnell in einer Überflutung des Marktes und den Straßen ausarten, wie uns bereits frühere Beispiele gezeigt haben.


Verlassene Roller von San Francisco; Quelle: iStock.com/EddieHernandezPhotography

Während sich beim Carsharing aufgrund der hohen Erstkosten nach recht kurzer Zeit bereits die dominanten Unternehmen herauskristallisieren konnten, hat sich bei Bikesharing auch in Deutschland ein anderes, eher katastrophales Bild für Städte offenbart. Was mit Call-A-Bike und seinen roten DB-Rädern begann, artete in den letzten Jahren aus. Vor allem asiatische Mitstreiter wie o-Bike fluteten die Städte regelrecht mit Billigfahrrädern und kümmerten sich anschließend nicht darum, was mit den Rädern passierte. Ab einem gewissen Punkt lagen sie in Bergen aufeinandergestapelt, in Flüssen versenkt oder gar in Bäume aufgehängt. Kreativität im Vandalismus ist angesagt.


Weiterentwicklung der Shared Economy

Diese Sorge hat man nun auch bei Elektrorollern. Wie das Beispiel mancher Orte zeigt, sind Regularien und möglicherweise limitierte Lizenzvergaben dringend nötig, um den Massen an Anbietern entgegenzuwirken. Erst vor kurzem wurde in San Francisco der gesamte Service für einen gewissen Zeitraum stillgelegt. Denn es kam zu immer mehr Vandalismus, zu hohen Stückzahlen und daraus entstehende Blockaden auf Gehwegen und Straßen und einer steigenden Zahl an Verletzungen, größtenteils zurückzuführen auf die abgeschaffte Helmpflicht. Es liegt letztendlich an den Städten und Ländern, die passenden Regularien zu finden. Bei einem solch explosiven und schnellen Trend, sind allerdings sogar wir Deutschen, bekannt als Meister der Überregulierung und Bürokratie, überfordert. Während die Amerikaner nach dem Motto „was nicht verboten ist, ist erlaubt“ leben, muss bei uns zunächst alles genehmigt werden. Welche Vorgehensweise letztendlich Fortschritt verhindert und fördert, darf man für sich entscheiden.

In Deutschland müssen wir auf jeden Fall noch etwas auf diesen Trend warten. Denn während die Franzosen auf ihren Scootern über die Champs-Elysées flitzen oder die Wiener den Prater unsicher machen, wird bei uns noch die kommenden Monate an einer Verordnung für Elektrokleinstfahrzeuge gearbeitet. Obwohl die Elektroroller langsamer sind als ein Elektrofahrrad, fallen Sie laut unseren Politikern trotzdem in eine strengere und an sich gleiche Kategorie wie ein Moped. Deswegen könnten möglicherweise auch lichttechnische Einrichtung, Blinker, Kennzeichen sowie Versicherungs- und Helmpflicht anfallen und dies für einige Hersteller Umrüstungen der Fahrzeuge bedeuten. Nichtsdestotrotz hoffen wir auf eine baldige Probefahrt!



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