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City Tree - Eine Lösung gegen den Smog?

Aktualisiert: 7. Aug 2019


Luftverschmutzung in Metropolen ist zum größten ökologischen Gesundheitsrisiko geworden. Der City Tree, das Produkt eines deutschen Startups, soll nun Abhilfe gegen den Smog schaffen. Wie funktioniert der künstliche Baum? Und kann er tatsächlich die Luftqualität in Städten verbessern?


Jahr für Jahr ziehen mehr Menschen in Großstädte. Die Urbanisierung ist so weit vorangeschritten, dass mittlerweile mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten wohnt – Tendenz weiter steigend. Die offensichtliche Folge dieser Entwicklung sind Mega-Cities, also Städte mit mehr als 10 Millionen Einwohnern. Weltweit gibt es davon bereits 37. Die ökologischen Folgen in derartigen Ballungsräumen sind allerdings alarmierend: Bedingt durch die starken Belastungen von Verkehr und Industrie sinkt die Luftqualität kontinuierlich. Neueste Statistiken gehen davon aus, dass weltweit rund 90% der in Städten lebenden Menschen täglich verschmutzte Luft einatmen.

Angesichts solcher Zahlen dürfen Städte nicht weiter die Augen verschließen, sondern müssen Wege finden, um wirksam gegen den Smog vorzugehen. Da kommt das deutsche Startup Green City Solutions wie gerufen. Das Jungunternehmen aus Dresden hat sich zum Ziel genommen, mit neuester Technologie die Luftqualität in Städten zu verbessern. Die Motivation für das Projekt ziehen die Gründer aus ihren persönlichen Eindrücken von Reisen quer durch Asien und Südeuropa: Am eigenen Leib mussten sie dort die negativen Folgen verschmutzter Luft erleben. Ihre Lösung? Der City Tree, eine vier Meter hohe und mit einem speziellen Moos überzogene Konstruktion. Auf Basis der einzigartigen Verbindung von Pflanzen und modernster Internet-of-Things-Technologie können weitverbreitete Umweltbelastungen wie Feinstaub aus der Luft gefiltert und ohne Rückstände in die eigene Biomasse überführt werden. Laut Hersteller soll einer der künstlichen Bäume in etwa so viel leisten wie 275 echte Bäume. Auf diese Weise kann nachweislich die umliegende Luftqualität verbessert werden. Damit das Moos nicht austrocknet, ist der City Tree mit modernster Internet-of-Things Technologie ausgestattet: Sensoren analysieren die Umgebung und berechnen, wie viel Wasser die Pflanzen brauchen. Aus einem integrierten Tank wird anschließend das Wasser bereitgestellt. All das funktioniert nicht nur grün, sondern auch komplett autark. Durch solare Energiegewinnung und die Nutzung von Regenwasser sind keine Strom- oder Wasseranschlüsse notwendig.


City Tree inklusive Sitzbank, Quelle: Green City Solutions

Mit dem City Tree konnten die Jungunternehmer bereits diverse Auszeichnungen einfahren. Erst kürzlich wurde das Unternehmen von "brand eins Wissen" als eines der "Innovatoren 2018" gekürt. Und auch international hat sich der Erfolg des City Tree herumgesprochen. Neben verschiedenen deutschen Standorten sind die High-Tech-Bäume beispielsweise in Oslo oder Hongkong zu finden - wenn auch noch in geringer Stückzahl. Schließlich hat eine solche Anschaffung ihren Preis: Je nach Ausstattung können zwischen 14.000 und 25.000 Euro anfallen. Doch der hohe Preis ist nicht der einzige Grund, wieso die Verbreitung derzeit noch schleppend läuft: Die meisten Kunden sind Städte oder Kommunen, die Entscheidungsprozesse dauern hier naturgemäß deutlich länger. Deswegen versucht das Unternehmen, seinen intelligenten Baum auch für private Unternehmen attraktiver zu gestalten und bietet auffällige Werbeoptionen an. Je nach Bedarf kann die Grünfläche mit einem Firmenlogo ergänzt werden, alternativ besteht auch die Möglichkeit, die Moospflanzen in Form eines QR-Codes anzuordnen. Ein cleverer Schachzug, denn inzwischen konnte mit der Deutschen Bahn bereits ein renommierter Abnehmer gefunden werden. An sechs deutschen Bahnhöfen hat die Bahn die smarten Bäume aufstellen lassen - eine Win-Win-Situation, da sich nicht nur die Luftqualität im umliegenden Raum verbessert, sondern der Konzern auch gleichzeitig seine Nachhaltigkeitsstrategie einem breiten Publikum präsentieren und sein ramponiertes Image aufbessern kann.


City Tree im Berliner Hauptbahnhof, Quelle: Green City Solutions

Für die Zukunft hat das grüne Unternehmen, das mittlerweile in Berlin ansässig ist, große Pläne. Zeitnah soll die erste Mega-City flächendeckend mit City Trees ausgestattet werden. Für eine Stadt wie Hongkong wären dafür rund 2.500 Anlagen notwendig. Eine so hohe Zahl an quadratischen Bäumen dürfte sich nur wenig harmonisch in das Stadtbild eingliedern. Deswegen ist denkbar, den City Tree mit schon bestehender Infrastruktur zu kombinieren. So könnten beispielsweise Paketstationen, Fahrscheinautomaten oder Schallwände in Produkte von Green City Solutions umgewandelt werden.

Das Konzept des City Tree klingt nach einer durchaus vielversprechenden Maßnahme gegen den Smog, doch kritische Stimmen werfen ein, dass die Filterleistung solcher Systeme nicht effektiv genug sei, um stark verschmutze Luft dauerhaft reinigen zu können. Kritiker betonen, dass vielmehr an den Quellen der Luftverschmutzung angesetzt werden müsste, also bei den Katalysatoren der Autos und den zahlreichen Industriebetrieben. Denn sollte die Luftverschmutzung weiterhin in dem jetzigen Ausmaß zunehmen, kann der City Tree auf lange Frist auch keine bessere Lebensqualität garantieren. Deswegen muss das Thema Luftverschmutzung dringend weiter in den Fokus der breiten Öffentlichkeit gerückt werden. Der imposante City Tree ist hierfür definitiv ein ausgezeichnetes Medium.

Vielen Dank an Green City Solutions für die Bereitstellung der Bildmaterialen.


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