• Chris

BOOM – In 3 Stunden über den Atlantik

Aktualisiert: 12. Apr 2019


Durch das digitale Zeitalter ist die Welt in einem unvorstellbaren Ausmaß zusammengewachsen. Dank sozialen Netzwerken hat man das Gefühl, Teil des Lebens derer zu sein, die tausende Kilometer entfernt leben. Will man sich allerdings persönlich treffen, wird man schnell von der Realität eingeholt. Neun Stunden von München nach New York kann - wenn man nicht gerade Business Class fliegt - wie eine Ewigkeit wirken. Dabei hatten wir bereits vor knapp 50 Jahren eine Antwort auf diese Problematik – die Concorde, das erste Überschall-Passagierflugzeug für Linienflüge!

Am 02. März 1969 hob die „Königin der Lüfte“ erstmals ab und beeindruckte wohl jeden Passagier und Schaulustigen in ihrer aktiven Laufbahn von 1976 bis 2003. Umso verwunderlicher scheint es, dass diese Technologie trotz all ihrer Vorteile für den Personenverkehr in den letzten 15 Jahren nicht länger zum Einsatz kam. Was ist passiert? Warum hat man den 3 Stunden Flug über den Atlantik aufgegeben?


Die Concorde mit ihrer berühmten absenkbaren Nase, damit die Piloten bei der Landung genug sehen

Das britisch französische Gemeinschaftsprojekt war seiner Zeit voraus. Mit zweifacher Schallgeschwindigkeit und einem perfekt ausgearbeiteten Design hätte die Concorde die Lüfte erobern sollen. Jeder Flug glich einer Kombination aus Dinner und Cocktailparty – feinste französische Küche und Champagner Toasts beim Erreichen von Mach 2. Auch heute schwärmen die damaligen Fluggäste noch von diesem Erlebnis, denn neben der luxuriösen Versorgung bot auch die Flughöhe von 18.000 Metern etwas Besonderes: keine Turbulenzen, nach oben hin das Schwarz des Weltalls und nach unten blickend die mit bloßem Auge erkennbare Krümmung der Erde. Letztendlich kam man bei einem Flug von London nach New York früher an, als man abgeflogen ist. Das ermöglichte es beispielsweise Phil Collins, im Jahr 1985 zuerst in London und am gleichen Tag noch in Philadelphia für das Benefizkonzert „Live Aid“ aufzutreten.

Ein Flug in der Concorde spiegelte Erfolg und Status wieder, worin allerdings auch ein Problem lag. Tickets um die 12.000 Dollar sorgten dafür, dass eigentlich nie alle der 110 Plätze besetzt waren. Doch waren diese Preise nicht unbegründet. Die Concorde hatte aufgrund der nur 14 in Betrieb genommenen Maschinen horrende Wartungskosten und einen Kerosinverbrauch, der pro Passagier in etwa viermal so hoch war, als zur heutigen Zeit. Desweiteren wurden die Maschinen in der gesamten Betriebszeit aufgrund der geringen Stückzahlen nicht weiterentwickelt und flogen auch zum Ende noch mit analogen Kontrollen und einem Flugingenieur an Bord. Zu guter Letzt musste der Flugverkehr auf Transatlantikflüge beschränkt werden. Für Sprünge über den Pazifik reichte der Sprit nicht und Flüge im Landesinneren wurden von den meisten Ländern aufgrund der enormen Lärmbelästigung bei Start und Landung sowie dem Knall bei Durchbrechen der Schallmauer nicht genehmigt. Der Absturz einer Concorde von Air France am 25. Juli 2000, bei dem alle 109 Passagiere ums Leben kamen, und die Luftfahrtkrise nach 9/11 leitenden schließlich das bisherige Ende der Überschall Ära ein.


Doch ist es nicht an der Zeit, einen erneuten Versuch zu starten? Seit dem letzten Überschall-Passagierflug sind viele Jahre vergangen. Das denkt sich auch das 2014 ins Leben gerufene amerikanische Startup „Boom Technology“. Unter Leitung des Firmengründers Blake Scholl plant das Unternehmen, bereits 2023 die erste ihrer Maschinen auszuliefern und damit an eine fast vergessene Zeit der Luftfahrt anzuschließen. Das Beispiel Concorde hat gezeigt, dass Innovationen und zukunftsweisende Technologien ohne eine erfolgreiche Geschäftsstrategie sowie entsprechende Weiterentwicklungen nicht überleben können. Daher sind die Ansätze von Boom für eine erfolgreiche Etablierung am Markt wohl entscheidender, als die Technologie selbst.

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger bietet der Boom Supersonic Airliner Platz für 55 Passagiere. Während Design und Größe stark an die Concorde erinnern, legt er mit einer Geschwindigkeit von Mach 2.2, also etwa 2.700 km/h, nochmal einen drauf. Große Teile der Maschine werden aus einem Karbonfaser-Verbundwerkstoff gefertigt, was sie leichter und effizienter macht, während eine neue Generation Triebwerke auch die Lautstärke drastisch reduzieren soll. Dank heutiger Produktionsmöglichkeiten soll ein Listenpreis von 200 Millionen Dollar erreicht werden. Das entspricht den kleineren Fliegern von Airbus oder Boeing und ist damit vollkommen akzeptabel. Natürlich bleibt dieses Flugzeug ein Fortbewegungsmittel der Extraklasse, weswegen auch der Luxus nicht zu kurz kommen darf. Das Interieur hält mit höchsten Business Standards auf dem Markt mit! Doch wieviel wird uns der Flug nun kosten? Auch heute sind wohl die Massen nicht bereit, für 3 Stunden Zeitersparnis Unsummen zu bezahlen. Laut dem Unternehmen werden sich die Preise - so überraschend das sein mag – daher im Bereich heute üblicher Business Class Tickets bewegen. Für 2.500 Dollar wird es mit Sicherheit genug Kundschaft geben.


Das ist auch gut so, denn laut dem CEO gibt es bereits 76 Vorbestellungen für den Airliner. Boom’s Partner Virgin Atlantic, die Airline des Starunternehmers Richard Branson, hat sich die ersten 10 gesichert, und auch Japan Airlines ist als Investor und mit einer Vorbestellung von 20 Maschinen mit an Bord. Somit bleibt nur noch abzuwarten, bis voraussichtlich noch in diesem Jahr eine kleine Testversion des Fliegers, genannt „Baby-Boom“, abheben und hoffentlich die gewünschten Ergebnisse liefern wird.


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