• Alex

Bitcoin ist eine Illusion - und das ist gut so

Aktualisiert: 12. Apr 2019


Es ist eine von diesen Geschichten, die einen nur ungläubig den Kopf schütteln lässt. Ein 39-jähriger Familienvater verkauft sein Haus und all seine Habseligkeiten, um das Ersparte in Bitcoin investieren zu können. Nun haust er mit seiner Frau und den 3 Töchtern auf einem Campingplatz in den Niederlanden. Aber Didi Taihuttu ist von seinem Investment überzeugt und glaubt fest daran, dass Bitcoin und die dahinterliegende Blockchain-Technologie das Zeug dazu haben, die Finanzwelt zu revolutionieren.

Mit dieser Meinung steht er keineswegs alleine dar. Der Massenhype rund um Bitcoin ist beispiellos und niemand will das vermeintlich nächste große Ding nach dem Internet verpassen. Deswegen springen auch immer mehr Menschen mit ihrem Geld auf den Zug auf und treiben den Kurs in ungeahnte Höhen. Im Dezember des vergangenen Jahres war ein Bitcoin über 16.000 Euro „wert“. Und genau das ist das Paradoxe an Bitcoin! Denn streng genommen ist Bitcoin rein gar nichts „wert“. Wir reden hier lediglich von einem Algorithmus, einem Computerprogramm, einem Code aus 1ern und 0ern. Bitcoin besitzt keinerlei materiellen Wert! Er wird zwar häufig als digitales Gold bezeichnet, ist aber weder greifbar, noch lässt er sich in Unzen messen und schon gar nicht als Schmuckstück um den Hals tragen. Das einzige, was hinter Bitcoin steht, ist Massenpsychologie. Eine Währung ohne Gegenwert - ist das nicht eine Illusion?

Zweifelsohne! Aber drehen wir den Spieß doch einmal um: Ist unser gesamtes Geldsystem mit Euroscheinen und Münzen nicht eine mindestens genauso große Illusion? Eine Massenhalluzination? Denn streng genommen ist auch der Euro lediglich durch unseren Glauben gedeckt, unser Vertrauen an seine Werthaltigkeit. Früher war das anders, aber seit knapp 50 Jahren ist das staatliche Monopolgeld nicht mehr an Gold gekoppelt. Seither können Zentralbanken Milliarden neuer Geldeinheiten aus dem Nichts entstehen lassen. Sogar Geschäftsbanken haben das staatlich garantierte Privileg, mit jedem Kredit neues Geld zu schöpfen. Virtuelles Geld, um genau zu sein. Denn in Wirklichkeit sind gerade einmal 10% des Euro in Form von echten Münzen und Scheinen verfügbar. Die restlichen 90% sind abstrakt - 1en und 0en. Wenn Bitcoin eine Illusion ist, ist es der Euro erst recht!

In meinen Augen ist der Bitcoin aber die eindeutig bessere Illusion. Denn führen wir uns mal die Absurdität des jetzigen Geldsystems vor Augen. In ganz Europa gäbe es nicht genügend Euro-Scheine und -Münzen, um sich das Geld auszahlen zu lassen, welches allein die deutschen Banken verwalten. Das System erinnert an ein Kartenhaus, das jederzeit in sich zusammenfallen könnte. Während der Wirtschaftskrise 2008 wäre es fast soweit gewesen. Damals rettete nur ein Bluff das System: Die Bundesbürger vertrauten dem Versprechen von Merkel und Steinbrück, die deutschen Bankguthaben seien sicher. Hätten die Kunden die Schalter gestürmt, hätten sie sehr bald gemerkt, dass nicht einmal die Regierung auf die Schnelle genug Bargeld für alle zur Verfügung stellen kann. Wäre Bitcoin angesichts der gravierenden Schwächen keine bessere Alternative?

Bitcoin wurde genau deshalb entwickelt. Ein Gegenentwurf für das kranke Geldsystem. Das Prinzip ist denkbar einfach: Alle zentralen Institutionen werden abgeschafft, sodass man keiner Stelle mehr vertrauen muss – keiner Bank, keiner Zentralbank, keinem Finanzminister. Der Bitcoin-Code, genauer gesagt die Blockchain, übernimmt all diese Funktionen. Unbestechlich und fälschungssicher. Doch genau diese Entkoppelung von Staaten ist für Kritiker die größte Schwachstelle von Bitcoin. Während Euro, Dollar und Co. vom Staat als „gesetzliches Zahlungsmittel“ festlegt werden, ist der Bitcoin nicht durch Staaten „gestützt“. Seine Werthaltigkeit ist also nicht garantiert. Wenn ich auf der Bank einen Euro einzahle, kann ich am nächsten Tag sicher sein, denselben Euro wieder zu bekommen. Vielleicht in Form von zwei 50-Cent Münzen, aber der Wert verändert sich nicht. Kaufe ich mir einen Bitcoin, kann mir hingegen keiner dessen Wertstabilität garantieren. In Ländern wie Deutschland ist das ein berechtigter Einwand. Es geht aber auch anders. Wir müssen nur einen Blick nach Venezuela werfen, um zu sehen, wie instabil ein Währungssystem werden kann, wenn der Staat eingreift. Da die Regierung ihre Schulden durch neu gedruckte Banknoten tilgen will, ist der Wert eines Bolivar innerhalb weniger Jahre um fast eine Million Prozent gesunken! Bezahlt wird in Venezuela inzwischen mit Lebensmitteln, weil die leichter zu transportieren sind als Schubkarren voller Bargeld... Wäre Bitcoin also nicht die deutlich stabilere Alternative?

Vermutlich ja. Das zeigt sich auch an der hohen Beliebtheit des Bitcoin in den krisengebeutelten Ländern. Im Bitcoin-System sind staatliche Eingriffe ausgeschlossen, eine gewisse Werthaltigkeit ist also vorprogrammiert. Viele erinnert der Bitcoin wegen seiner Eigenschaften auch an Gold, das über Jahrtausende hinweg das bevorzugte Geld der Menschheit war. Knapp und nicht manipulierbar. Perfekte Voraussetzungen für eine Währung. Im Unterschied zu Gold kann man Bitcoins auch noch schnell wie eine WhatsApp rund um die Welt schicken. Ein weiterer Vorteil.

Ist Bitcoin also die perfekte Illusion? Ich bin überzeugt, dass die Technologie unserem jetzigen Währungssystem überlegen ist. Über Nacht wird der Bitcoin natürlich dennoch nicht zum etablierten Zahlungsmittel aufsteigen. Vermutlich bedarf es einer neuen, noch größeren Krise, um die Zweifel am jetzigen Geldsystem tatsächlich in echtes Handeln münden zu lassen. Bitcoin ist auf jeden Fall bereit, durchzustarten. Wie sagte einst Buckminster Fuller? „Wenn man Dinge ändern will, sollte man nicht versuchen, das alte Modell zu verbessern. Man sollte ein neues Modell bauen, das das alte obsolet macht.“


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