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BIO-LUTIONS – Ein Game Changer in der Verpackungsindustrie

Aktualisiert: 7. Aug 2019



Verpackungsmaterial, hergestellt aus den Resten der Ananas Pflanze, Quelle: BIO-LUTIONS International AG

Heutzutage laufen viele Initiativen, um einem der größten Umweltprobleme unserer Zeit den Gar auszumachen – Plastik. Einkaufstüten werden kostenpflichtig oder komplett verbannt und der neuste Trend sind verpackungsfreie Supermärkte. Das Thema steht global in den Medien und bietet eine hervorragende Plattform für neue Ideen und Innovationen. Das Hamburger Startup BIO-LUTIONS hat dieses Potential erkannt und möchte nun mit einem revolutionären Produkt die Verpackungsindustrie erobern.

Anstatt ohne Verpackungen zu leben, setzt Eduardo Gordillo, Gründer der BIO-LUTIONS International AG, auf bisher ungenutzte Pflanzenreste. Seine Idee ist es, einen natürlichen Kreislauf zu schaffen, in dem Agrarabfall auf nachhaltige Weise wiederverwendet wird. Das Ergebnis ist ein vielseitig einsetzbares Material für Verpackungen und Einwegprodukte, welches nach seiner Verwendung ohne schlechten Gewissens entsorgt werden kann. Es ist recycle- sowie biologisch abbaubar, kompostierbar und kann nahezu CO2-neutral verbrannt werden.

In Kooperation mit Zelfo Technology kommt ein patentierter Produktionsprozess zum Einsatz, in dem die Pflanzenreste mit einer Maschine zu besonders feinen Faserstücken zermahlen werden. Dadurch entstehen sogenannte selbstbindende nano- und mikrofibrillierte Fasern, die durch Zugabe von etwas Wasser aneinander haften bleiben und in jede gewünschte Form gepresst werden können. Es werden keine Chemikalien oder andere Zusatzstoffe verwendet – nur Naturfasern, Wasser und Hitze beim Pressen. In diesem Verfahren, auch up-cycling genannt, werden also bisherige Abfallprodukte in ein vielseitig einsetzbares und innovatives Produkt umgewandelt. Nach Aussagen des Unternehmens wurden als Beispiel bereits Tomaten in Verpackungen gepackt, die aus bisher nicht weiter verwertbaren Tomatenpflanzen hergestellt wurden. Als Basisversion können die Verpackungen von BIO-LUTIONS für alles Trockene, von Lebensmitteln bis hin zu Elektrogeräten, genutzt werden. Für wasser- und ölabweisende Oberflächen wird das Produkt durch Bio-Plastik ergänzt.


Eine Verpackung für Tomaten, aus Tomatenpflanzen, Quelle: BIO-LUTIONS International AG

Ein großer Vorteil dieser Technologie ist der geringe Kostenfaktor. Im Gegensatz zur Zellstoff- (z.B. Papierherstellung) oder Kunststoffindustrie, kann bei BIO-LUTIONS das Material deutlich energie- und wassersparender hergestellt werden. Des Weiteren werden durch die geplante dezentrale und regionale Produktion die Transportkosten sowie der Einfluss der Weltmärkte auf z.B. Rohstoffpreise enorm gesenkt. Es werden lokale Rohmaterialen verwendet und direkt nahe dem Point of Sale produziert. Gründer Gordillo ist sich darüber bewusst, dass ein Produkt, welches sich auf einem derart dominanten Markt etablieren will, nicht teurer als die bestehenden Produkte sein darf.

Nachdem im Jahr 2016 die Produktionstests in China abgeschlossen wurden, startete im Januar 2017 die Pilotanlage in Bangalore, Indien. Dieses Land eignet sich aufgrund des hohen Landwirtschaftsaufkommens und einer bisher ungelösten Müllproblematik hervorragend für die erste Produktionsstätte. Neben der Tatsache, dass verarmte Bauern ihre Agrarabfälle nun monetarisieren können anstatt sie zu verbrennen, wurde letztes Jahr in manchen Regionen und Städten Indiens bereits ein Verbot von Einweg-Plastik eingeführt, weswegen ein Unternehmen wie BIO-LUTIONS wie gerufen kommt. Als erste Abnehmer der Produkte hat sich bereits der größten indischen Online-Lebensmittelhändler Big Basket gefunden, der mit Verpackungen für Obst und Gemüse beliefert wurde. Auch eine indische Kaffeehauskette hat Interesse an Produkten von BIO-LUTIONS bekundet. Doch aktuell stehen die Maschinen still, da Gordillo und sein Team von der Pilotanlage in eine richtige Fabrik mit höheren Produktionskapazitäten umzieht. Für 2018 sieht der Plan des Unternehmens vor, sich mit weiteren Produktionsstätten auch in anderen Ländern niederzulassen und zu etablieren.


Up-cycling von Agrarresten zu innovativen und umweltfreundliche Verpackungen, Quelle: BIO-LUTIONS International AG

Damit sagt also ein weiteres Startup dem Plastik den Kampf an und nur die Zeit wird zeigen, ob das Produkt tatsächlich konkurrenzfähig ist. Doch das Potential und die Vision des Unternehmens sind groß. Denn auch andere Plastikprodukte wie Einweggeschirr, Kaffeekapseln und vieles mehr könnten eines Tages durch diese verarbeiteten Naturfasern ersetzt werden. Der Verpackungsindustrie sowie der Verwendung von Einwegprodukten dürften also grundlegende Veränderungen bevorstehen.


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