• Alex

Bildung 2.0 - Lernen in der Zukunft



Esteban Bullrich ist Argentiniens Erziehungsminister. Als solcher stellt er momentan die gesamte Bildung seines Landes auf das digitale Zeitalter um und geht dabei auch durchaus unkonventionelle Wege. In einer großangelegten Umfrage bei mit 900 argentinischen Firmen hat er die Anforderungen, die an neue Mitarbeiter gestellt werden, erfragt. Ganz oben auf der Liste: Kenntnisse der digitalen Werkzeuge.

Das ist nicht verwunderlich. Durch die fortschreitende Digitalisierung und durchweg intelligenter werdende Maschinen und Systeme, steigt die Nachfrage nach hochqualifizierten IT-Arbeitskräften Jahr für Jahr weiter an. Daher scheint es etwas paradox, nicht bereits in der Schule diese Fähigkeiten den jungen Menschen zu vermitteln. Ändert sich daran nichts, werden bis 2045 schätzungsweise 30 Millionen dringend benötigte IT-Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt fehlen. Zu diesem Schluss ist ein Studententeam der TU München gekommen, das sich im Rahmen eines Projektes mit der Bildung 2.0 auseinandergesetzt hat. Eine Revolution des Bildungssektors ist also unausweichlich, um einem Kollaps des Wirtschaftssystems vorzubeugen. Und wer könnte den Staat dabei nicht besser unterstützen, als die Tech-Industrie selbst? Schon heute gibt es zahlreiche digitale Bildungsangebote. Wer sich beispielsweise in der Online-Akademie Udacity umsieht, kann sich zum Self-Driving Car Engineer, zum Blockchain Developer oder zum Digital Marketing Experten ausbilden lassen. Neben Udacity gibt es noch zahlreiche weitere Anbieter, deren Beliebtheit mit dem digitalen Zeitalter immer weiter ansteigt. Doch man darf nicht vergessen, dass diese Angebote in der Regel auf freiwilliger Basis beruhen und weder die schulische, noch die weiterführende Ausbildung ersetzen.

Das Konzept der Münchner Studenten geht da einen weitaus radikaleren Weg. Geplant ist eine Lernplattform im Sinne eines allumfassenden neuronalen Netzwerkes, welches die Daten seiner User auswertet und dadurch personalisierte Lerninhalte erstellen kann. Im Klartext heißt das Schulen und Lehrer ade! Denn deren Rolle wird durch eine in die Software integrierte Künstliche Intelligenz übernommen. Dadurch kann ein flexibles und globales Bildungssystem erschaffen werden, das zuvor nicht denkbar gewesen wäre. Lehramt-Studenten sollten jetzt allerdings nicht in Panik verfallen. Das Konzept ist im Jahr 2068 angesiedelt und daher eher als Zukunftsvision zu verstehen. Dennoch sind die Überlegungen dahinter sehr interessant. Jedem User wird ein Bildungsprofil zugeteilt, in dem die persönlichen Erfolge und Fortschritte in Echtzeit festgehalten werden. Daraus kann das Programm erkennenlernen, wo die Stärken und Schwächen eines jeden Individuums liegen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse helfen wiederum, für jeden Einzelnen perfekt zugeschnittene Lerninhalte zu erstellen. Klassenzimmer und standardisierte Lehrpläne haben ausgedient! Auch die Unterteilung der Lerninhalte in Fächer gehört der Vergangenheit an. In Zukunft wird vielmehr zwischen Softskills (beispielsweise Kommunikation) und Hardskills (beispielsweise Rechnen) unterschieden. Dadurch soll sich das Bildungssystem noch besser am Arbeitsmarkt ausrichten können. Eine zukunftsorientierte und effiziente Bildung – so lässt sich die Botschaft hinter dem Konzept am besten zusammenfassen.

Zugegeben, auf den ersten Blick klingt die Idee doch sehr abgefahren. Die erste Frage wäre wohl, wie junge Schüler ohne die Anwesenheit eines Lehrers und nur von einer Software diszipliniert und erzogen werden können. Auf der anderen Seite reden wir von einem Konzept, dass 50 Jahre in der Zukunft liegt. Big Data und künstliche Intelligenz werden dann einen derart massiven Einfluss auf unser Leben haben, wie wir es uns heute nicht vorstellen können. Dass unser Bildungssystem einer Revolution bedarf, ist hinreichend bekannt. Wieso also nicht einmal über den Tellerrand blicken und unkonventionell denken?

Das Projekt wurde von den folgenden Studierenden erarbeitet:

Jose Pabon Andrade, Martin Duffner & Leon Pauli.

Vielen Dank für die Bereitstellung der Materialien!​

Die gesamte Serie "Die Welt im Jahr 2068" ist hier zu finden.


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