• Alex

Amazon Go - Der Supermarkt der Zukunft?

Aktualisiert: 7. Aug 2019


Amazon hat in Seattle seinen ersten Supermarkt eröffnet. Eine innovative Technologie macht Kassen überflüssig und das Einkaufen zu einem schnellen und unkomplizierten Erlebnis. Wie funktioniert der Laden? Und was hat Amazon in Zukunft mit der Technik vor?


Feierabend! Noch eben die Zutaten für ein schnelles Abendessen besorgen und dann ab auf die Couch - Zeit für Netflix. Es könnte so schön sein. Doch die Realität sieht meist anders aus: Lange Schlangen an den Kassen und überfüllte Gänge machen den Besuch im Supermarkt häufig zu einer nervenaufreibenden und zeitintensiven Beschäftigung. Doch damit könnte bald Schluss sein. Amazon hat in Seattle seinen ersten Supermarkt mit dem einprägsamen Namen „Amazon Go“ eröffnet. Kein Lieferdienst, kein Abholservice, sondern tatsächlich ein stationäres Geschäft im Erdgeschoss von einem der Bürogebäude des Internetgiganten. Der Clou an der Sache - es gibt keine Kassen. Der Kunde nimmt sich einfach die gewünschten Produkte aus dem Regal und verlässt den Laden. Einfach, schnell und unkompliziert.

Was zunächst nach Zauberei klingt, wird durch den Einsatz neuester Technologien ermöglicht: Kameras, Sensoren und die Deep-Learning-Technologie, die bereits für autonomes Fahren verwendet wird, ermöglichen ein innovatives und noch nicht dagewesenes Einkaufserlebnis. Bevor der Kunde erstmals den Laden betritt, muss er sich zunächst die Amazon-Go App auf sein Handy laden und mit einem aktiven Amazon-Account verbinden. Zum Betreten des Supermarktes wird lediglich der QR-Code auf dem Smartphone-Display gescannt, anschließend kann das Shopping-Erlebnis beginnen. Mithilfe der zahlreichen Kameras und Sensoren identifiziert das System eindeutig, welche Artikel ein Käufer aus dem Regal nimmt und einpackt. Eine Gesichtserkennung ist hierfür nicht notwendig: Die Kunden werden lediglich als 3D-Objekte erfasst. Auf diese Weise soll der Datenschutz gewährleistet werden. Zum Auschecken hält der Ladenbesucher das Handy erneut an den Scanner und der Einkauf ist beendet. Wenige Minuten später wird die Rechnung per Mail zugeschickt. All das funktioniert Testberichten zufolge einwandfrei.

Bis dahin war es jedoch ein beschwerlicher Weg. Ursprünglich war die Ladeneröffnung schon vor einem Jahr erwartet worden. Wegen technischer Schwierigkeiten musste der Start jedoch nach hinten verschoben werden. Doch nun sind alle Härtetests bestanden. Sogar mehrere verkleidete Mitarbeiter in gleich aussehenden Kostümen des Pokémon Pikachu konnten das System nicht irritieren. Auch Ladendiebstahl ist nahezu ausgeschlossen: Ein Reporter der New York Times hat versucht, das System zu überlisten, indem er ein Papier um eine Limonadenpackung gewickelt hat – ohne Erfolg.


Von der ausgefeilten Technik im Hintergrund merkt der Kunde nur wenig. Lediglich die Kameras an den Decken und die fehlenden Einkaufswägen lassen vermuten, dass es sich hier um keinen gewöhnlichen Supermarkt handelt. Das Sortiment umfasst das Übliche und reicht von Brot über Obst bis hin zu Schokolade. Zusätzlich gibt es die Amazon Meal Kits, das sind Boxen mit frischen Zutaten für ein schnell zuzubereitendes Essen.

Trotz dem hohen Grad an Automatisierung sind nach wie vor Mitarbeiter im Laden zu finden. Die einen bereiten frische Salate und fertige Gerichte vor, andere befüllen die Regale, einer steht zur Begrüßung am Eingang und ein weiterer kontrolliert das Alter am Regal mit alkoholischen Getränken. Amazon behauptet, dass die neue Technologie die Mitarbeiter nicht ersetzt, sondern lediglich deren Rolle verändert, um den Kunden das bestmögliche Einkaufserlebnis bieten zu können. Deswegen müssen sich die rund 3,5 Millionen Supermarktangestellte in Amerika momentan auch noch keine Sorgen um ihren Job machen. Fakt ist aber auch, dass Mitarbeiter im Schnitt den größten Kostenfaktor darstellen - mithilfe der neuen Technologie würden sich zweifelsohne erhebliche Einsparungspotentiale realisieren lassen.

Welche Stratgie Amazon mit seinem Supermarkt verfolgt, ist aktuell nicht bekannt. Erst im vergangenen Jahr hat der Internetkonzern die Supermarktkette Whole Foods aufgekauft, welche 473 Filialen in Nordamerika und Großbritannien betreibt. Es wäre durchaus denkbar, dass diese Geschäfte nach und nach an das Vorbild aus Seattle angepasst werden. Gerüchten zufolge plant der Konzern zudem die Eröffnung von sechs weiteren Läden unter dem Label "Amazon Go". Das ist allerdings zum jetzigen Zeitpunkt Spekulation. Doch eines ist schon heute sicher: Die Revolution unserers Einkaufserlebnisses hat begonnen.


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