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Wie 'Loon' Internet ans Ende der Welt bringen möchte

Aktualisiert: 7. Aug 2019



Das 21. Jahrhundert wird oftmals auch als das Zeitalter des Internets bezeichnet. Während das für entwickelte Länder wie Deutschland durchaus zutreffen mag, ist in vielen Gegenden auf dieser Erde Internet nach wie vor ein Fremdwort. Schätzungsweise jeder zweite Mensch auf der Welt hat aktuell keinen geregelten Zugriff auf das World Wide Web! Der Software-Riese Alphabet, zu dem auch die Suchmaschine Google gehört, möchte das aber schnellstmöglich ändern. Mit der Tochterfirma ‚Loon‘ entwickeln die Kalifornier Helium-Ballons, die in 18 Kilometern Höhe über der Erde fliegen und von dort aus mobile Internetverbindungen an entlegene Orte der Welt bringen können. Eine spannende Mission, die kurz vor ihrer Vollendung steht und über die wir euch in diesem Artikel erzählen wollen.


Wie alles begann...

Seit nunmehr acht Jahren arbeitet Google an seinen spektakulär anmutenden Internetballons. Der Startschuss für das Projekt fiel im Jahr 2011, als zunächst ein modifizierter Wetterballon in die Stratosphäre geschickt wurde. Schnell war jedoch klar, dass die extremen Bedingungen 18 Kilometer über der Erdoberfläche den Ingenieuren einiges an Kreativität abverlangen würden. Immerhin schwanken die Temperaturen in einer solchen Höhe um rund 150 Grad und können sogar bis zu 90 Grad ins Negative rutschen – von dem geringen Luftdruck und der hohen UV-Einstrahlung ganz zu schweigen.

Daher sahen sich die Google-Ingenieure gezwungen, zum Äußersten zu greifen. Über Wochen hinweg wurden in einem Hangar die extremen Bedingungen der Stratosphäre nachgestellt und verschiedene Versionen des Ballons auf Leib und Seele getestet. Die Bemühungen sollten sich bezahlt machen. Ein drei Millimeter dickes Kevlar-Gemisch hat sich als das perfekte Material herausgestellt: widerstandsfähig, leicht und einfach zu produzieren.


Der Loon-Ballon in einem Hangar, Quelle: Loon.

Wie lässt sich ein Ballon steuern?

Ein weiteres Problem sollte die Navigation der Ballons sein. Im Gegensatz zu motorisierten Flugobjekten lassen sich Ballons nicht in ihrer Flugrichtung, sondern lediglich in ihrer Flughöhe kontrollieren. Genau diesen Umstand haben die Loon-Ingenieure zu ihrem Vorteil genutzt. In den unterschiedlichen Schichten der Stratosphäre wehen die Winde in verschiedene Richtungen. Indem die Höhe eines Ballons angepasst wird, kann er folglich von den Stratosphärenwinden mit passender Windrichtung und Geschwindigkeit angetrieben und ausgerichtet werden. Die Stromversorgung des Ballons erfolgt dabei über integrierte Solarpanele, während das Projektteam vom Boden aus jederzeit Kontakt zu den Flugobjekten hält.


Einmal um die Welt!

Mit dieser Technik ist 2014 die erste erfolgreiche Erdumrundung gelungen – ein Meilenstein für das junge Team, aber noch lange nicht das Ende der Reise. Denn damit ein Ballon eine stabile Internetverbindung auf den Boden senden kann, muss er sich über einen längeren Zeitraum am selben Ort aufhalten können. Ein Ballon kann jedoch nicht wie ein Helikopter an derselben Stelle in der Luft ausharren. Eine Alternative ist jedoch, ihn in engen Kreisen über einem bestimmten Ort fliegen zu lassen. Also hat das Team begonnen, einen Ballon zunächst über einen Kontinent kreisen zu lassen – erst in 5 Tagen, dann in 4 und schließlich in 3, wodurch die Radien immer enger wurden. Der endgültige Durchbruch sollte dann im Jahr 2016 gelingen: Ein Ballon wurde in den peruanischen Luftraum geschickt und blieb dort drei Monate am Stück!


Auf einmal ging alles ganz schnell

Dass Project Loon weitaus mehr ist als nur ein Forschungsprojekt, hat das Team ein Jahr später bewiesen. Hurrikan Maria zog mit Stärke 4 über Puerto Rico hinweg und sorgte für enorme Verwüstungen im ganzen Land. Auch die Internetversorgung wurde bei dem Sturm in große Mitleidenschaft gezogen. Kurzerhand hat das Loon-Team eine Flotte seiner Ballons nach Puerto Rico geschickt und auf diese Weise eine kostenlose Internetverbindung für rund 200.000 Menschen eingerichtet - der vorläufige Höhepunkt in der Geschichte von Project Loon und ein eindeutiger Beweis, dass Internet von Ballons funktionieren kann.


Vorrichting zum Starten des Ballons, Quelle: Loon.

Am Ende geht es ums Geld

Bei humanitären Einsätzen soll es aber nicht bleiben, denn letzten Endes möchte Google auch Geld mit seinen Ballons verdienen. Deshalb wurde das Projekt bereits 2018 aus Googles Think-Tank ‚Google X‘ ausgelagert und in ein eigenständiges Tochterunternehmen mit dem schlichten Namen ‚Loon‘ überführt. Im selben Atemzug wurde auch das erste große Projekt verkündet: Im Laufe dieses Jahres soll erstmals eine Flotte der Heliumballons in Kenia starten, um dauerhaft ein Mobilfunknetz in den abgelegenen Gegenden des Landes einzurichten. Ein kleiner Schritt für Loon, der aber große Auswirkungen für Kenia haben könnte. Denn abseits der Metropolen ist ein zuverlässiger Zugang zum Internet oft unerschwinglich oder gar nicht verfügbar. Damit fehlte bislang vielen Bauern die Möglichkeit, ihre Waren besser zu verkaufen, mit Kunden zu kommunizieren und auf wichtige Informationen zuzugreifen. Mit dem Internet aus dem Ballon soll sich das ändern. Doch trotz des beeindruckenden Potentials ist nicht jeder über das Engagement von Google in Kenia begeistert. Immerhin besteht die Gefahr, dass der Konzern am Ende ein Monopol für die Bereitstellung von Internet über einen großen Teil von Kenia besitzen könnte – zumindest vorläufig.


Mehr und mehr Unternehmen drängen auf dem Markt

Die Konkurrenz schläft nicht. Viele Unternehmen haben erkannt, dass sich Internet aus dem All zu einem lukrativen Business entwickeln könnte. Facebook hat lange Zeit an seiner Internet-Drohne „Aquila“ getüftelt, das Projekt aber bereits 2016 wegen ausbleibendem Erfolg wieder eingestellt. Vielversprechender scheint da schon der Einsatz von Satelliten. Elon Musk ist mit seinem Unternehmen ‚Starlink‘ im Rennen und auch das kanadische Unternehmen ‚OneWeb' hat kürzlich für Schlagzeilen gesorgt – ausgerechnet, weil es eine Partnerschaft mit Loon eingegangen ist. Für viele kam dieser Zug überraschend, doch am wahrscheinlichsten scheint, dass Loon seine Navigationssoftware den Kanadiern bereitstellt, um langfristig das Netzwerk aus Ballons mit Satelliten zu ergänzen.


Profit trifft soziale Mission

Auch wenn es am Ende um Profit geht, darf nicht vergessen werden, dass gerade für Länder der Dritten Welt die Technologie zu einem echten Gamechanger werden könnte. Derzeit kostet ein GB Internetdaten in Afrika im Durchschnitt neunmal mehr als die von der UN-Breitbandkommission empfohlenen zwei Prozent des monatlichen Bruttoeinkommens. Ein Internetzugang zu vertretbaren Kosten könnte dazu beitragen, die Digitalisierung endlich auch in Länder der Dritten Welt zu bringen. Nichts anderes ist die Vision von Loon.

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